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Nutzfahrzeuge, nicht mehr. Billig und zweckmäßig. Menschen die regelmäßig Ihr Auto putzen und eine geradezu emotionale Beziehung zu Ihrem Boliden pflegten, waren mir ein Mysterium. Seit zehn Jahren bewegte ich nur Schrottkisten mit kleinen Motörchen und mit etwas Glück 2 Jahren TÜV, solange bis die Kadetts, Derbis und Rapids die Grätsche machten. Schluss, jetzt muß endlich ne dicke Karre her, nach Jahren der Abstinenz mal ein Fahrzeug mit Style. Auf jeden Fall unter 1000 Euro und gerne mit einem dicken Motor. Der wird gefahren bis das Geld für den Sprit ausgeht oder das Finanzamt die letzten Kröten vom Konto saugt. Eigentlich sollte es ein Taunus oder ein Granada werden, aber nach 3 Monaten Suche kam die Resignation. Den Taunus gabs nur mit kleinen Vierzylindern und wenn sie nicht schon völlig am verfaulen waren, verlangten die Besitzer deftige Preise. Der Granada wartete mit einer 2,8 Liter Maschine auf. Schon deutlich besser, aber nur Automatik und da ich gerne spiele, war das auf jeden Fall ein Manko. Noch dazu präsentierten sich die Granadas durchweg in elenden Zuständen. Schneller als mir lieb war, starrte ich auf die abgelaufene TÜV-Plakette meines alten Renault Rapid. Noch zwei Tage Zeit, bis dahin muß ein neues Auto her. Die regionalen KFZ-Anzeigen auf dem Schoß, alle Vorsätze über den Haufen geworfen und ein Blick auf die üblichen Verdächtigen in diesem Preissegment.

Es eilt!

Da blieb mein Blick bei BMW hängen. Die Fahrzeuge aus Bayern standen eigentlich gar nicht auf der Wunschliste. Ein 730i, 290 000 km, TÜV neu für 1 000 Euro. Der Reihensechszylinder stand gerade mal 20 Kilometer von meiner Haustüre entfernt. Auf dem Weg zu dem Verkäufer ratterte mein Hirn. 188 PS, kein Kat, ob das den Geldbeutel überstrapaziert? Noch ganz in die Zahlen vertieft stand ich plötzlich vor dem 7er. Nerzbraunmetallic und in einem erstaunlich guten Zustand. Nach einem kleinen Schnack mit dem Verkäufer stand die Probefahrt an und schon nach dem Drehen des Zündschlüssels war es um mich geschehen. Die sechs Zylinder schnurrten, Platz ohne Ende und eine schöne lange Haube im Blickfeld. Außerdem gab es nichts zu beanstanden, kein Knartzen, passable Bremsleistung, der Motor gesund, der BMW muß mein werden.

Gekauft!

Nach dem obligatorischen Verhandeln wechselte der Bayer für 950 Euro den Besitzer. Mit einem dicken Grinsen und fatzleerem Tank stand erstmal der Besuch an der Zapfsäule an. Ich konnte mein Glück gar nicht fassen, so eine geile Karre für so wenig Geld, ich bin ein Glückspilz. Das Klack der Zapfpistole holte mich wieder zurück in die reale Welt. 144 Euro standen auf der Anzeige. Mein lieber Herr Gesangsverein, da hast Du Dich ja auf was eingelassen. Naja, mit 90 Litern im Bauch wird der BMW schon ein Stück weit kommen. Also ab nach Hause. Den 7er gestartet und schon war die Tankrechnung wieder vergessen. Dieser Sound, einfach der Hammer und trotz des hohen Alters noch so gut in Schuss. Ich war verliebt. Zuhause angekommen bewaffnete ich mich mit Staubsauger und Waschzeug. Jetzt wird das Schmuckstück erstmal auf Vordermann gebracht. Nach einer gründlichen Wäsche ertappte ich mich auf den Knien neben meinem Auto, die Politur in den Händen.

Was ist nur passiert?

Bin ich innerhalb weniger Stunden zu einem dieser Freaks mutiert, die samstags nichts besseres zu tun haben als Ihr heiliges Fahrzeug zu polieren? Was ist aus dem Typen geworden der seine Autos nach Ablauf des TÜVs als völlig zugemüllte Wracks beim Schrotthändler abgab, ohne auch nur eine Wimper zu zucken? Mittlerweile fahre ich den Hecktriebler seit eineinhalb Jahren, 40 000 Kilometer hat er draufgebrummt bekommen und lief immer anstandslos. Sogar ein Steuerbescheid mit jenseits der 700 Euro hat die Liebe nicht geschmälert. Im Gegenteil, jeder der eine Runde mitgefahren ist und von dem Kaufpreis gehört hat, fängt an nachzugrübeln. So auch mein Kollege Christian, der jetzt bei einem 735i nicht nein sagen konnte und beim Fotoshooting Gewehr bei Fuss stand. Mit einem durchschnittlichen Verbrauch von 11 Litern, zornig gefahren versteht sich, und solider, haltbarer Technik zeigt der BMW Alltagsqualitäten. Noch heute huscht mir jedesmal beim Einsteigen ein Grinsen übers Gesicht und am Samstag sieht man mich wie die anderen Spinner mit dem Lappen meinen Raumkreuzer liebkosen.

Nachtrag

Beide in diesem Bericht erwähnten Raumkreuzer sind mittlerweile Geschichte. Mein Brauner ist den Schrottplatz-Tod gestorben, und der von Christian fristet das Ausschlacht-Dasein in der heimischen Einfahrt. Ein wahrlich trauriges Ende dieser kleinen Liebesgeschichte, aber man braucht nicht drei mal raten was wir uns neu anschafften. Meiner ist silber und seiner ist blau!

Video vom Alteisenshooting