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14. Dezember 2010
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Magazin 2010-02
Zur Zeit weiß noch niemand so genau wo uns die Zukunft hinführen wird. Politik und Automobilkonzerne versuchen zögerlich eine Lobby für Fahrzeuge mit elektrischem Antrieb zu etablieren, wobei jedoch schnell ein gewisses Maß an Unentschlossenheit deutlich wird. Elektro-Fahrzeuge sind zumeist optische Fehltritte, die dem Zweck für den sie entwickelt wurden oft nicht gerecht werden. Wenn man einen PKW entwickelt, dann doch wohl zu dem Zweck, dass er mehrere Personen von einem zum anderen Ort bewegen kann. Ein Toyota Prius, das prominente Hybrid-Vehikel mit ach so tollen Energie-Effizienzwerten, hat bis zu seiner Auslieferung in Europa schon so viel Umweltverschmutzung auf dem Buckel, er müsste 1000 Jahre laufen um das wieder wett zu machen. Eine gehypte Milchmädchenrechnung. Ein wahrlich ehrlicher Vertreter ohne Kompromisse ist hingegen der Tesla. Ein Sportwagen, der mit elektrischem Antrieb vollends im Hinblick auf sportliche Aspekte entwickelt wurde. Einen Gegepol im Motorradbereich gibt es zu diesem Zeitpunkt noch nicht und das ist genau die Stelle an der Andre Federico Look ansetzt. Über sportliche Ausrichtung und Optik will er das Elektromotorrad reizvoll und zweckorientiert unters Volk bringen.
Der Ausgangspunkt des Entwurfs
Beim aktuellen Entwurf, stellte der Designer sich die Frage, welche Berechtigung Motorradrennsport in Zeiten hat, in denen Nachhaltigkeit und Umweltbewusstsein immer mehr an Bedeutung gewinnen. Sein Wunsch war es, mit dem Entwurf Effizienz, Emotionen und Dynamik zusammenzuführen. Aus Looks Perspektive ist Rennsport ein sehr wichtiges Kommunikationsmittel von neuen Technologien und steigert maßgeblich die Akzeptanz für neue technische und gestalterische Lösungen.
Die Idee
Das Motorrad wurde als eine Plattform für Motorradrennen entworfen und geht auf viele Merkmale ein, die für Rennsport bedeutsam sind. Mit dem Motorrad soll Rennsport auf verschiedenen Ebenen möglich sein – einerseits im professionellen Rahmen als Werksunterstützes Team, andererseits ist auch eine kostenreduzierte Variante im Sinne eines "Production Racers" für Enthusiasten denkbar. Das Motorrad soll das Potential von Rennsport mit alternativen Antrieben aufzeigen und Interesse an den neuen Möglichkeiten wecken, um so auch die Akzeptanz für Serienfahrzeuge zu steigern.
Das Technikkonzept
Das technische Konzept orientiert sich mit seinem asymmetrischen Aufbau des Fahrwerks an der Wartung und dem Service in der Boxengasse. Ziel ist es die Teile mit kurzen Wechselintervallen möglichst unkompliziert, schnell und zuverlässig austauschen zu können – Sturzteile sind hierbei ebenfalls mit bedacht worden. Die Massen sollten für hohe Fahrdynamik reduziert und zentralisiert werden – entsprechend sind die vier Elektromotoren samt ihrer vier Akku-Stacks möglichst kompakt zusammengefasst und zentral angeordnet. Die sogenannten Rahmenringe umschließen das Paket von Motoren und Akkus und stilisieren sie im Sinne eines Motorblocks. Darüber hinaus zeigen die Räder und weitere mechanisch hochbelastete Bauteile den Wunsch auf, rotierende Massen zu reduzieren um das Handling positiv zu beeinflussen. Der Effizienzverlust in Form von Wärme gilt es zu minimieren – entsprechend werden viele Bauteile, die aktuell einen geringen Wirkungsgrad haben, durch neuartige Komponenten ersetzt. An erster Stelle natürlich die Motoren selbst, aber auch die Fahrwerkselemente. Die Rückführung von Energie an die Hauptakkus soll darüber hinaus, zusammen mit den neuen Akkutechnologien, die Reichweite in einen rennsporttauglichen Bereich bringen. Die Anordnung eines leichteren Elektromotors im Vorderrad ermöglicht es, einen großen Teil der Bremsenergie ohne weitere Bauteile zurückzuführen. Beim Beschleunigen bietet sich die Möglichkeit den Vortrieb zu einem Teil über das Vorderrad zu holen und so den Hinterreifen speziell am Ende der Renndistanz zu entlasten.
Das Designkonzept
Der Entwurf hat die Wesensmerkmale des Rennsports zu unterstreichen. Dadurch, dass die Begeisterung für Motorsport maßgeblich von der Fahrdynamik abhängt, wird man hierbei keine Einbußen in Kauf nehmen können. In der Folge dessen ist es vor allem ein effizienter Umgang mit Energie, den es zu kommunizieren gilt. Rennsport ist eine Gratwanderung am menschlich, technisch und physikalisch machbaren – dieser äußerst präzise Umgang am Limit sollte auch gestalterisch kommuniziert werden. Beide Aspekte sollten entsprechend gestalterisch in den Entwurf einfließen. Effizienz stellt sich im Umgang mit dem Bauteilen dar – viele Baugruppen wurden zusammengefasst und auf das reduziert, was sie als Einheit funktional macht. Am Beispiel: Die Baugruppe der Kanzel wird vom rechten Luftkanal mit dem Rahmen verbunden – versteift wird die Kanzel vom Cockpitinstrument, dass mittragend zwischen den Luftkanälen integriert ist. Präzision zeigt sich unter anderem im Übergang der Bauteile, den präzise geführten Kanten der Verkleidungselemente, einem einkalkulierten Verformungsspielraum der Verkleidungsteile und der exakten Einstellbarkeit der Ergonomie. Nicht zuletzt galt es natürlich auch die Dynamik als einen entscheidenden Anteil am Entwurfsprozess formal mit einfließen zu lassen.
Die Ergonomie
Effizienz spielt für den Entwurf eine große Rolle. Nicht nur beim direkten Antrieb und dem Umgang mit dem Reifenverschleiß über die Renndistanz, sondern auch für den Umgang mit den Energien des Fahrers. Look verfolgt die Idee dem Fahrer einerseits eine gute Arbeitsposition zu bieten, die eine hohe Konzentration auf das Renngeschehen und die Fahrzeugkontrolle zulässt, ihm andererseits aber auch eine gewünschte Flexibilität bietet. In Fahrsituationen mit hoher Spitzenbelastung für den Fahrer ist die Struktur des Motorrads darauf ausgelegt mit einem definierten Flex nachzugeben. Beispielsweise beim durchfahren einer Senke mit hoher Geschwindigkeit gibt die sogenannte Tankform nach, so dass der liegende Fahrer in seiner Atmung nicht beeinflusst wird. Gleichfalls verhält es sich in anderen ergonomischen Bereichen, wie beispielweise der Wahrnehmung durch die Verkleidungsscheibe. Die gesamte Kanzel ist größtenteils transparent gehalten, um in Startsituationen die Peripherwahrnehmung zu verbessern. Ziel ist es, den Kontakt zwischen den Motorrädern zu verhindern, das Einschätzungsvermögen zu verbessern und so Unfälle im Startgedränge zu reduzieren.
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