08-trockenschmierung-01Vor einigen Monaten kam ein kluger Mann auf eine trickreiche Idee. Er war es satt, ständig die Kette seines Fahrrades pflegen zu müssen, nur um das Ergebnis wenig später an seinem Hosenbein wieder zu finden. Dr. Jan Tabellion dachte ein Weilchen nach und fand einen Lösungsansatz. Was er gerade tat, als er auf die zündende Idee kam, wissen wir nicht. Die Vermutung liegt jedoch nahe, dass Dr. Tabellion gerade mit einem langweiligen Telefonat beschäftigt war, mit dem er mit Bleistift auf einem Stück Papier kritzelte und feststellen musste: „Junge, das schmiert ja!“

Wie man so die Kette schmiert

Wir alle kennen das Problem. Man weiß genau, dass man die Kette pflegen muss, tut es aber kaum. Wenn es dann endlich mal soweit ist, dass man die Dose Kettenspray zur Hand hat, dann muss es aber auch schnell gehen. Also rotzt man den Kram auf die Kette und hofft weder zu viel, noch zu wenig von dem klebrigen Zeug auf die gliedrige Zentrifuge gedonnert zu haben. Kettenpflege ist eine Philosophie, über die sich schon zig Foren in die Haare bekommen haben. Die etwas älteren unter uns wissen wohl noch, wie man das früher gemacht hat. Zu einer Zeit, als noch niemand über O- und X-Ring Ketten nachdachte. Der geneigte Motorradfahrer stellte eine Dose Kettenfett auf die Herdplatte, wartete ein Weilchen und legte dann die zuvor gereinigte Kette in die Fischbüchse. Fett und Kette gemeinsam ein wenig aufbrühen - erkalten lassen - und die Rollen standen wieder voll im Saft. Einige Rennsportveteranen haben noch einen beachtlichen Vorrat dieser nostalgischen Dosen und betreiben dieses Spielchen bis in die heutige Zeit. In der Massenanwendung starb diese Methode jedoch schon vor Jahren aus.

Psychologie - zur äußeren Anwendung

Heute greift man zum besagten Spray, welches mit bunten Aufschriften versehen ist und sich psychologisch wertvoll als sichtbarer Film auf der Oberfläche der Kette absetzt. Doch genau da liegt das Problem bei der Geschichte. Viel nutzt viel - ist hier die falsche Ansatz. Einen gewissen Anteil der klebrigen Paste wird die Kette bei der ersten Fahrt von sich schleudern und des Fahrers Kleidung, als auch das Motorrad damit garnieren. Die Schmierung moderner, abgedichteter Ketten dient nur bedingt zur Beweglichkeit der Kettenglieder zueinander, sondern soll für geschmeidiges Abrollen von Hülse zu Rolle und letztendlich zum Kettenrad / Ritzel genügen. Die innere Hauptschmierung ist nach außen abgedichtet und sollte vorrangig kein Wasser abbekommen. Was von außen an der Kette haften bleibt zieht allerdings den Dreck der Umgebung an und bindet diesen. Diese Schmirgelpaste greift die Dichtung zum Innenleben der Kette an, wodurch die Gefahr besteht, dass Wasser eindringen kann. Man schafft es seine Kette mit gewöhnlichem Kettenspray in Schuss halten. Das funktioniert aber nur, wenn man sie regelmäßig damit schmiert und vor jedem neuen Auftragen den alten Kram von der Oberfläche entfernt. Was welches Präparat taugt wollen wir an dieser Stelle nicht aufdrüseln. Dazu müsste man einen Langzeittest an mehrern Motorrädern mit unterschiedlichen Ketten ins Auge fassen.

Das Konzept der Schunk Trockenschmierung

An Fahrrädern wurde das Prinzip der Trockenschmierung mit Grafit erstmals ausprobiert. Mit großem Erfolg. Dr. Tabellion ließ das untere Spannritzel seiner Umlenkung aus Grafit bauen und verzichtete fortan auf ölende, oder fettende Zusätze. Während die Kette über das Ritzel surrte, arbeitete sie sich langsam, aber kontinuierlich in das Ritzel ein. Die Kette brauchte das Ritzel so zu sagen auf und nahm während dessen feinste Grafit-Teilchen auf. Genau wie bei Bleistift und Block wurde die Oberfläche der Kette sehr glatt, wasserabweisend und kleinste Ritzen wurden mit Grafit gestopft.

Die Umsetzung am Motorrad funktioniert ähnlich. Der Schmierstoff wird in Riegelform am hinteren Bereich der Schwinge gefestigt. Während die Kette auf Zug ist, stehen Grafit und Kette nur leicht in Kontakt. Die entscheidende Phase ist hier der Lastwechseln, wenn die Kette beginnt auf und ab zu tanzen. Dann nimmt sie sich genügend Grafit auf und wird geschmiert.

Erprobung am Offroader

08-trockenschmierung-02Für Straßenmotorräder hat die Firma Schunk schon einige Produkte in Serie gebracht, bei Offroadern war MotoMonster mit einem der ersten Prototypen unterwegs und durfte testen. Wir tauschten den serienmäßigen Kettengleiter gegen das Aluminiumkästchen von Schunk und spulten ettliche, verregnete Kilometer im Gelände ab. Das Ergebnis war beeindruckend. Die Kette blieb wegen des wasserabweisenden Grafitfilm trocken. Der erste Prototyp hinterließ einen guten Eindruck , weswegen Schunk seit kurzem auf Anfrage auch Kettengleiter mit Schmierung anbietet. Hierbei handelt es sich dann nicht mehr um eine Aluminium-Aufnahme wie in unserem Fall, sondern der Grafit wird in Carbon gekleidet.

Einsatz im Rennsport

Im Rennsport zählt jedes Gramm Gewichtsersparnis. Daher wird man die Trockenschmierung in der jetzigen Form weder im Gelände- noch im Straßensport einsetzen. Zur Verwendung im Straßenverkehr ist die Trockenschmierung aber schon vollends einsatzbereit.

Montage des Prototyps