05-husaberg-fs-570-02Auf die Gefahr hin die Saure Gurke verliehen zu bekommen, möchten wir an dieser Stelle einen außergewöhnlichen Vergleich wagen. Die meisten von uns haben Erfahrungen mit beidem - Frauen und Motorrädern! Vergleicht man nun die Eine mit der Anderen, so lassen sich erstaunliche Parallelen zwischen Frauen- und Motorradtypen feststellen. Wer ist nicht schon von seinem Stahlross gestiegen, um es anschließend noch ein wenig zu streicheln und zu liebkosen. Es ist doch das Temperament des Motorrades, welches den besonderen Reiz und die Vorliebe zu eben diesem Gefährt ausmacht. Und nicht zuletzt entscheidet auch die Zickigkeit darüber, wie sehr man sich mit dem aktuellen Fahrzeug identifiziert, oder ob man sie bei nächster Gelegenheit verstößt.

Der Vergleich

Nun, wie kommen wir auf die Idee diesen Vergleich zu ziehen? Der erste Ausritt mit der aktuellen Supermoto aus dem Hause Husaberg, ließ schon nach wenigen Kilometern eben diese Idee durch den Kopf schwirren. Wie sollte man sonst, ohne in langweiliges Gephrase zu verfallen, dieses temperamentvolle und zugleich gutmütige Motorrad beschreiben. Warme Worte zu finden fällt hier einfach. Doch erst einmal das eine oder andere Typenbeispiel.

Typ 1 - die Diva

Im Feld der Straßensupermotos trifft dies sicherlich auf die Aprilia SXV zu. Keines der letzteren, wesentlich zuverlässigeren Baujahre, konnte der schönen Italienerin den zuvor versauten Ruf polieren. Vorausgesetzt sie zickt nicht, dann ist sie einfach nur schön und man hat den Eindruck, dass sie das auch weiß. Schon mit kleinsten Bewegungen am Gasgriff wird sie zur wilden Furie und faucht grazil um die Ecken verwinkelter Landstraßen. Sie ist der Typ Frau, der im schicken Outfit beim Italiener um die Ecke ihren Cappuccino schürft, um sich bei der Gelegenheit über die anderen hässlichen Entlein lustig zu machen.

Typ 2 - das Bauernmädel

Der scheinbar am nächsten gelegene Vergleich zur FS 570 ist ihre Vorgängerin, die ziemlich genau 80 Kubik volumigere FS 650 e. Sie ist der Typ Frau, mit dem man Pferde stehlen kann. Das Mädchen vom Land, das etwas robuster gebaut daher kommt, und beim abendlichen Bierchen in der Stammkneipe schon so manchen Kerl beim Armdrücken bezwungen hat. Ein Pfundsweib eben! Doch leider konnten sich nur eine Hand voll Jungs für sie begeistern. Die meisten berufen sich bei der Suche nach einer treuen Gefährtin auf zierliche Japanerinnen, oder vollbusige Damen im Jägermeister-Dress, die nahezu invasiv aus der Alpenregion zu uns einwandern.

Typ 3 - die Bibliothekarin

Wir hätten sie auch gerne die Oberstudienrätin nennen können, wollten aber wilden Phantasien aus der Jugend vorbeugen. Im Straßenverkehr schwimmt sie so mit, ist nicht zu hören und fällt auch ansonsten nicht sonderlich auf. Ist auch besser so, denn wirklich hübsch ist sie nicht. Modernes Auftreten ist ihr fremd und sie schaut wesentlich älter aus als sie eigentlich ist. Wenn man sich mit ihr einlässt und mal so richtig auf ihr reiten möchte, dann stellt man mit Erschrecken fest, dass Sie null Performance an den Tag legt. Alle Bewegungsabläufe mit ihr sind ein wenig träge und man kann anstellen was man will, sie kommt nie so richtig in Fahrt. Wer Diva oder Bauernmädel schon mal ausführen durfte, der wird mit einer Bibliothekarin, oder einer Yamaha XT 660 niemals glücklich werden.

Typ 4 - die Unkomplizierte

05-husaberg-fs-570-03 Die aktuelle 570er von Husaberg präsentiert sich hingegen völlig zu Unrecht als unscheinbares, graues Mäuschen, welches seine Vorzüge nicht mittels grandioser Werbeaktionen und so mancher Nachrüst-OP anpreist. Doch wer den ersten Schritt wagt und unvoreingenommen auf die neue FS zugeht, der wird schnell begeistert sein. Schon beim ersten gemeinsamen Date erkennt man welch tolles Motorrad sie ist. Sie hat ein spitzenmäßiges Fahrwerk, ist wahnsinnig leichtfüßig und huscht wieselflink um die Ecken. Sobald man sich dann mehr traut, sich an sie ran macht und ihr verdeutlicht, dass man JETZT Spaß haben will, ist sie zur Stelle. Mit der Husaberg möchte man am liebsten im Mondlicht nackig baden gehen, oder mit dem Zelt bewaffnet quer durch die Lande ziehen. Sie zeigt ein Höchstmaß an Alltagstauglichkeit und schafft es auch ohne viel Schnick Schnack über weite Strecken hinweg belastbar zu sein. Dank der niedrigen Frequenz der Serviceintervalle kann man dieses sportliche Gerät getrost zu den Dauerläufern zählen.

Knackpunkt im Straßeneinsatz ist die über alle Hersteller verhängte Zulassungsbeschränkung. Mit gerade mal 8,4 KW ist der eingetragene Wert eine echte Beleidigung für das Motorradfahrer Herz. Doch findige Händler liefern für gewisses Entgeld ein entsprechendes Gutachten, anhand dessen man sich die volle Leistung eintragen lassen kann. Wer seine FS nämlich offen fährt, der hat reichliche 68 Pferdestärken zur Verfügung, welche bei einem Fahrzeuggewicht von 125 Kilogramm den Spaßfaktor erahnen lässt.

Fahrwerk

Was man anpeilt, trifft man auch. Die Husaberg kommt im Verhältnis zu anderen Supermoto-Straßen-Boliden ab Werk eher soft daher. Ein Zugeständnis, welches ihr auf holprigen Landstraßen durchaus zugute kommt. Schnelle Richtungswechsel beherrscht die FS 570 wie aus dem "FF". Da man den Motor im Massenschwerpunkt des Fahrzeuges angesiedelt und nach vorne geneigt hat, werden Richtungswechsel zur leichten Übung. Die Überlegung, den neuen Modellen ab Werk eine Closed Cartridge Gabel von WP zu spendieren, zahlt sich beim Kurvenräubern auf der Landstraße eben so aus, wie beim Abstecher auf die Kartbahn.

Motor

Während man die Vorgängerin am besten früh schaltet um optimales Drehmoment ans Hinterrad zu befördern, sollte man die Neue im Stil einer Offroad-Japanerin ziehen. Die 570er mag Drehzahlen und geht so richtig ab, wenn man ihr anständig die Sporen gibt. Die einzige Baugruppe die man im Auge behalten sollte, ist wohl die Kupplung. Der dicke Einzylinder zerrt doch ordentlich an den Belägen.

Ausstattung - kein Firlefanz

Was erwartet man von einer Geländemaschine an Ausstattung? Die Husaberg ist ein Rennmotorrad, keine fahrende Wohnküche! Entsprechend spartanisch fallen daher auch die Komfort-Features aus. Ein Mädel, dass alles was es braucht irgendwo in der Jeans unterbringt, anstatt dass sie ständig in der Handtasche wühlt. Das digitale Multifunktions-Instrument zeigt einem links die aktuelle Geschwindigkeit an, während man rechts zwischen verschiedenen Modi, wie Uhrzeit, Kilometerzähler oder Tageskilometerzähler wählen kann.

Fazit

Es ist eigentlich alles gesagt. Man(n) sollte schon selber wissen, ob er die Diva, das Bauernmädel oder die FS 570 mag.

Video mit Nico Joannidis bei der Probefahrt im Gewerbegebiet Schaafheim