04-ktm-super-duke-14Seit Jahren behauptet eine Meute Motorradbauer aus Österreich, dass ihre Hobel "Ready to Race" seien. Gut, das mag für serienmäßig produzierte Offroad Maschinen so zutreffen und befriedigt letztendlich auch den Anspruch des Kunden. In Anbetracht der Tatsache, dass sich die KTM-Leute in den vergangenen Jahren im Spektrum ein wenig geöffnet haben und neben Motocross, Enduro und Supermoto Maschinen nun auch knackige Straßenmotorräder an den Mann bringen, galt es diese Behauptung auf wahrheitsgemäßen Inhalt zu überprüfen. Die Super Duke sollte für unseren Feldversuch herhalten und nach etwas provokanter Anmache in Richtung Ursensollen (Sitz KTM Deutschland), schob man uns ein Exemplar zur Begutachtung unter den Allerwertesten.

Das Testprozedere

04-ktm-super-duke-15 Auf zwei Wochen belief sich die Testfrist und wir zogen sofort unseren hart strukturierten Testplan aus dem Aktenkoffer. Hier die knallharten MotoMonster-Bewertungskriterien im Überblick: Sitzposition, Alltagstauglichkeit, Komfort bei Stop & Go, Verbrauch, Reichweite, Umweltbelastung und natürlich die Kosten!

Um das Ergebnis knapp zu umschreiben: Wir fuhren in einer unserem Alltag entsprechend tauglichen Sitzposition, fühlten uns beim Stoppen an der Tankstelle recht unwohl, da wir vergessen hatten wie viele Kilometer wir nun mit dieser Füllung unseren Spaß hatten, waren dann aber furchtbar froh die Zeche beim freundlichen Tankstellenpersonal beglichen zu haben, um das erneute "Go" auf die ländlichen Straßen Bayerns zu feiern.

Schwamm über alle vernünftigen Kriterien die anderweitig die Basis einer Testfahrt ausmachen. Wer vernünftig ist, der kauft sein Motorrad mit all diesen Kriterien im Schädel, wird aber von der KTM Super Duke eher wenig angesprochen sein. Dieses Moppet ist wahrlich von Rennsportlern gebaut, die es verstanden haben, Spaß frei Haus mitzuliefern. Wer den großen Duke zündet und die Haxen auf die Rasten hebt, wird schnell von wohligen Emotionen gepackt sein. Man fühlt sich sofort als Chef über den Herzog, der seine Gänge gerne besonnen und mit gezogener Kupplung reinbekommt. Die Super Duke hängt am Gas wie ein wütender Rottweiler an der Kette und reagiert entsprechend abrupt auf Befehle vom Herrchen. Nicht nur was die Zufuhr von Sprit angeht, denn auch das Fahrwerk verrichtet seinen Dienst unter der Prämisse von absolutem Gehorsam. Kurz um, wer auf der Landstraße seinen Spaß haben möchte, der hat mit der Super Duke einen soliden Spielkameraden vor sich.

Video vom Landstraßentest der Super Duke

Ready to Race

04-ktm-super-duke-19Doch ist die Super Duke auch wirklich "Ready to Race"? Um ehrlich zu sein, in keiner offiziellen Rennserie der Föderation (DMSB) würde man mit diesem besagten Rottweiler einen Stich machen. Sind doch eher Windhunde und Terrier die Basis für sportliche Erlebnisse - Boxer findet man dort ja auch kaum. Um dieser Prüfung jedoch trotzdem Stand zu halten, war man im Hause KTM clever genug den passenden Wettstreit selbst zu inszenieren - die KTM Super Duke Battle! Für uns die Gelegenheit den Duke in die Schlacht zu führen und unseren Test zu beenden.

Unser Rennen sollte in Hockenheim stattfinden und MotoMonster machte sich auf den Weg in bis dato unbekannte Gefilde. Schließlich liegen die Wurzeln des MonsterRace-Testers Markus Rutz im Motocross und Supermoto. Auf der großen Asphaltfläche des Fahrerlagers in Hockenheim machte man sich zunächst an den Umbau der straßenzugelassenen Super Duke. Dies gestaltete sich einfacher als erwartet, denn lediglich Blinker, Kennzeichenhalterung, Spiegel und Seitenständer mussten vom Gefährt entfernt werden. Dann deckten wir den Scheinwerfer noch mit ein wenig schwarzem Tape ab, Startnummern drauf - fertig! Ein Aufwand von etwa 15 Minuten, nachdem die technische Abnahme ohne Beanstandung vollzogen werden konnte. Nach dem ersten Training war die Gewissheit da. Die erlaubten Serienpneus mussten der Sportmischung von Continental weichen, um auch noch das letzte Quäntchen technischer Unterlegenheit gegenüber den eingefleischten Startern dieser Serie aufzuholen. Aber dennoch fiel das erste Fazit von Rutzl recht positiv aus. In Anbetracht der Tatsache, dass der junge Mann seiner emotionalen Lage offensichtlich nicht mehr Herr war, können wir hier aber nur einen Auszug seiner ersten Reaktion widerspiegeln: "Scheiße ist das geil!"

Die entscheidende Schlacht

Beflügelt durch eben diese Begeisterung, ging es für Rutzl nach zwei weiteren Trainings, bei denen er sich den 25sten Startplatz von insgesamt 35 Piloten herausfahren konnte, noch am gleichen Abend in sein erstes Straßenrennen. Was dort draußen geschah war keine Schlacht, sondern ein Krieg in dem er als Einzelner schon mehrere Schlachten zu schlagen hatte. Nach einigen Runden pendelte sich das Maß ein wenig ein und Rutzl hatte nur noch einen Gegner. Jemanden der Motorrad und Kombi mit Blümchen verziert hatte. Ohne Frage, das Gesamtpaket sah stimmig und schick aus, doch welcher Kerl klebt sich rankende Blümchen aufs Motorrad. Der Blick ins Programm ließ die Vermutung zur Gewissheit werden, dass es sich hierbei um eine Pilotin handelte. Melanie Hentschel besaß also die Frechheit, vor unserem Testpiloten herum zu kreisen und ihm das Überholen schwer zu machen. Diesen Eindruck konnte man jedenfalls im Bereich der Sachskurve bekommen. Irgendwann war Rutzl dann vorbei, was ihm allerdings herzlich wenig nutzte. Blümchen-Melli hing ihm im Heck und ließ ihren Zorn auf den letzten Metern der Bahn an unserem Tester aus. Aus dem letzten Eck zog Melli so früh am Kabel, dass sie 200 Meter später, bei der Zieldurchfahrt, um Reifendurchmesser voraus war. Wie der Kampf zwischen den beiden ablief, dokumentiert das Rennvideo eindrucksvoll. Nach dem Rennen stand, oder besser gesagt hüpfte unser Testpilot noch um ein vielfaches aufgewühlter um "seine" Super Duke als zuvor. Nicht, dass er auch nur im geringsten sauer mit sich oder dem Ergebnis gewesen wäre, er hatte einfach Spaß und Freude an dem genialen Wettkampf, den er soeben miterleben durfte.

Fazit

Am Abend zeigte sich die Truppe der Super Duke Battle dann von der geselligen Seite. Man traf sich bei Händler Schittko am Truck und fronte bis in die frühen Morgenstunden dem Benzingespräch, um sich gegenseitig die Taschen vollzuhauen. Die Super Duke Battle auf dem Hockenheimring war ein grandioses Erlebnis für alle Beteiligten. Rennsport, Kameradschaft, Hilfsbereitschaft und Spaß wo man nur hinschaute und obendrein ein Motorrad, welches dem Versprechen "Ready to Race" in ganz besonderem Ausmaß nachkommt.

Video von der Super Duke Battle am Hockenheimring