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Ein Schritt in die Zukunft

Wahrscheinlich wird sich der ein oder andere fragen, ob die von MotoMonster jetzt komplett ausgeflippt sind – hier einfach so eine 125er als Highlight zu präsentieren. Um ganz ehrlich zu sein – wenn eine 125er so schnittig und stylish daher kommt wie die neue Duke von KTM, dann sehen wir es als unsere gottverdammte Pflicht, uns das Gefährt ein wenig genauer anzuschauen. Und nur, um den Oberboss ein weiteres Mal ins Spiel zu bringen: Gott sei Dank haben wir das getan.

Die Bedeutung

Um ehrlich zu sein, der Motorradmarkt ist nicht gerade auf dem Höhepunkt seiner Entfaltung und es wird zunehmend schwieriger, junge Leute fürs Zweirad zu begeistern. Was ist denn heute noch cool am Thema Motorradfahren, wenn Papas und Opas der heranwachsenden Generation vorleben wie Motorradfahren auszuschauen hat. Hätte uns das heutige Bild eines Motorradfahrers damals in den 80ern gepackt und dazu angeregt es nachzumachen? In Gore-Tex Klamotten eingepackte ältere Herren, die mit wahlweise gelben oder roten Warnwesten über die Autobahnen ziehen? Mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit nicht!

Landesweite Absprachen der Industrie, welche das politische Bild des bis dato verruchten Motorradfahrers gerade rücken sollten, sorgten in den vergangenen Jahren dafür, dass Werbung keine Wheelies und sonstige unanständige Fahrmanöver zeigen darf. Ist ja auch Unsinn – kaum ein Mensch fährt mehr als 0,002 Prozent seiner Kilometer auf dem Hinterrad. Vielleicht sind diese Absprachen ja auch überhaupt nicht Schuld und alleine die Demographie in unserem Land bestimmt das Bild auf den Straßen. Fakt ist aber, dass der Einstieg in die Szene verdammt teuer ist. Solange man als 16-Jähriger mit 1.300 Euro Führerscheinkosten und rund 500 Euro Versicherung im Jahr zu kämpfen hat, wird der Nachwuchs nicht gerade in Scharen sprießen. Es sei denn, es wäre wieder verdammt cool, ein Moped zu fahren.

Eine nette Marketing Faustregel besagt: Schaffe etwas, das 14-17 Jahre alte Mädels interessiert und du bekommst die Jungs dazu, sich dafür zu begeistern. Nun bleibt nur zu hoffen, dass genügend Mädels die Duke cool finden und Wert darauf legen, dass ihr Macker sie stilgerecht von A nach B befördern kann.

Die kleine Österreicherin macht an sich schon alles richtig. Sie sieht schick aus und holt das Maximum an zulässiger Leistung aus dem doppelgenockten Einzylinder heraus. Ein Leichtkraftrad, das es endlich wieder schaffen könnte, die Jugend zu begeistern.

Unsere Tester

Doch wer soll ein solches Gerät denn testen? Als normaler Erwachsener findet man doch überhaupt keine Relation zu dem dargebotenen 15 PS Hobel. Daher zerrten wir einen verschwägerten 17-Jährigen mit zum Pressetermin und wunderten uns nicht schlecht, dass andere Redaktionen diesen Umstand vollends außer Acht ließen. Unser Kim schwang sich mit Begeisterung auf das Turngerät und fuhr die im Navi vorprogrammierte Teststrecke artig ab. Im normalen Leben bewegt er eine MZ 125 SX, während er zu reinen Geländeausfahrten lieber seine 250er Zweitakt-Kawa anno 1995 ausführt. Sein Ansatz bei der Probefahrt war deutlich: "Meine MZ ist die beste 125er am Markt! Ich bin gespannt was die Duke so kann."

Auf zur Testrunde

Die Tour führte ihn über eine Bundesstraße, durch Ortschaften und entlang wunderschöner Landstraßen in der Schwäbischen Alb. Die etwa 30 Kilometer lange Tour hatte alle Facetten eines Motorradalltages zu bieten. Auf der sechsspurigen Bundesstraße konnten die offenen Dukes gut im Verkehr mitfließen. Kim hatte mit der 80 km/h Variante keine andere Wahl, als sich auf der rechten Spur von LKWs anblinken zu lassen. Doch da kann die Duke nix für und das Fass brauchen wir an dieser Stelle nicht mehr zu öffnen. Schließlich wird diese Begrenzung ab 2013 endlich ad acta gelegt.

Ein Teil der Bundesstraße führte durch einen längeren Tunnel, der ein kleines Feature sehr angenehm in Szene setzte. Im optimalen Fall muss man bei einem Motorrad keinen einzigen Blick auf die Schalterchen werfen, da diese bei allen Motorrädern an gewohnter Stelle sein sollten. Doch die kleine Duke geht auf Nummer sicher. Die Armaturen am Lenker sind beleuchtet! Eine dezente Hintergrundbeleuchtung zeigt zuverlässig die Position von Blinker- und Lichtschaltern an. Das dient nicht nur der Übersichtlichkeit, sondern schaut obendrein auch noch verdammt cool aus.

Ein umwerfendes Fahrwek

Ein wenig Kopfzerbrechen machten wir uns im Vorfeld über die No-Name Reifen indischer Herkunft, welche ab Werk das Geläuf der Duke ummanteln. Ein Umstand, den wir unserem Piloten natürlich verheimlicht hatten, damit er seinem jugendlichen Leichtsinn ohne Hemmschwellen freien Lauf lassen konnte. Die Landstraße diente hier als hervorragendes Terrain diese Zweifel zu widerlegen. Kim ließ die Duke in gewohnt rassiger Manier durch die Kurven und bezeugte den Pneus äußerst zuverlässigen Grip. Aber die Reifen dürfen sich ja auch auf ein unglaublich erwachsenes Fahrwerk stützen. Die Österreicher haben ihrem jüngsten Spross im Heck ein ordentliches WP-Federbein implantiert, während die Bodenhaftung vorne durch eine 43mm starke Upside-Down Gabel gewährleistet wird. Eine einzigartige Kombination im Bereich der Leichtkrafträder, was bei einem Preis von 4.000 Euro umso erstaunlicher ist.

Wer die kleine Duke durch die Kurven lässt, der wird kaum etwas von einem großen Motorrad vermissen. Naturgemäß ist das Rausbeschleunigen weniger zornbehaftet als bei großen Maschinen, doch die unfassbare Agilität der Kleinen lässt dies schnell vergessen. Bereitwillig und ohne Kraftaufwand neigt sich die knapp 130 Kilo leichte Österreicherin in jede heranrauschende Kurve. Auch in Stabilität und Spurtreue gibt es keinerlei Abstriche zu machen. Lange Kurven zieht man problemlos durch, kann ohne Überraschungen den Radius korrigieren und sobald der Scheitelpunkt erreicht ist, bedenkenlos wieder den Hahn voll aufspannen, um der nächsten Richtungsänderung entgegen zu fiebern.

Das Herzstück

Der kleine Viertakter hatte auf der Tour einige Bewährungsproben zu leisten. Kim konnte aber auch an steilen Bergaufstücken stets bis in den Begrenzer beschleunigen. Dabei fiel dann die Achillesferse der kleinen Duke auf – der 80 km/h Begrenzer. Kim umschreibt das Einsetzen der elektronischen Zündunterbrechung als äußerst ruppig und alles andere als komfortabel. Darauf angesprochen antwortete uns Projektleiter Andreas Wimmer voller Zuversicht, dass dieser Hemmschuh zeitnah Verbesserung erfahren wird.

Nebenbei bemerkt macht es mit der offenen Variante der 125er umso mehr Spaß die Pässe hoch zu räubern und den vollen Schwung mit möglichst runder Fahrweise von einer Kurve in die nächste zu retten. Der Antritt des Einspritzers ist bei offener und begrenzter Variante absolut gleich. Genau wie beim vom Aussterben bedrohten Hauptkonkurrenten steht über den kompletten Drehzahlbereich die volle Power zur Verfügung und die Elektronik regelt erst beim Erreichen der Nenngeschwindigkeit ab. Doch der Einspritzer aus Österreich zeigt sich gerade von unten heraus kraftvoller als die 125er MZ und hält diesem Eindruck bis in höhere Drehzahlen auch stand.

Die Jugend resümiert

Am vereinbarten Fotopunkt angekommen, zog Kim das erste Mal Resümee: "Die Duke zieht echt gut für eine 125er. Wahrscheinlich sogar besser als meine MZ. Der absolute Hammer ist aber das Fahrwerk. Hier hat mein Motorrad keine Chance gegen die Duke." Was den aktiven A1-Pilot besonders beeindruckte war die Tankanzeige. Aber weniger wegen des Gimmicks, überhaupt eine zu haben, sondern wegen des Wertes der ihm angezeigt wurde. "Wenn die Anzeige stimmt, dann ist das echt ordentlich. Wenn das Ding echt unter 3 Liter fährt, dann gibt's da überhaupt nix zu meckern." Im späteren Video-Interview zeigte sich der Knabe dann ein wenig zurückhaltender und wirkt aufgrund seiner Aufregung doch deutlich weniger enthusiastisch als beim Plausch mit der Verwandtschaft.

Ein echtes Motorrad

Das Erscheinungsbild der Serien- Duke könnte kaum weniger KTM-typisch sein. Selbst die Modelle, welche in anderen Farben präsentiert werden, lassen auf den ersten Blick den Hersteller erkennen. Hier hat Kiska- Design einmal mehr voll ins Schwarze getroffen. Der Ansatz, das Moped nach einem echten und vollwertigen Motorrad ausschauen zu lassen, hat vollends funktioniert. Das allgemeine Erscheinungsbild kommt ausgesprochen erwachsen rüber und wird durch den Einsatz entsprechend hochwertiger Komponenten und Oberflächen zusätzlich untermalt. Doch die 125 Duke verpasst dennoch nicht den Anschluss an die jugendliche Zielgruppe. Wie ein Transformer kommt sie daher und wenn man es genau betrachtet, hat sie genau das auch drauf. Die Serienmaschine wurde mit einer unfassbar reichhaltigen Auswahl an Power Parts gelauncht, mit denen man seine Duke mannigfaltig personalisieren kann.

Schmankerl für "digital natives"

Das Display der Duke – früher nannte man so etwas noch Tacho – setzt zwar kein Informatik- Studium voraus, ist aber vollgedonnert mit Funktionen und Anzeigen. Als erstes wäre da die Geschwindigkeit zu beachten, den sonst so schnöden Tageskilometerzähler gibt es gleich in doppelter Ausführung, zudem ein Drehzahlmesser, eine Uhr, eine Anzeige für Wassertemperatur, eine Ganganzeige und, was unseren Kim besonders freute, die Tankuhr mit spannender Verbrauchsanzeige – alles da!

Die spinnen, die Österreicher

Man kann ja vieles erzählen, vor allem wenn der Tag lang ist. So meinte Thomas Kuttruf, seines Zeichens Pressesprecher bei KTM, dass die 125 Duke Priorität Nummer eins in Mattighofen hatte. Nichts anderes wäre der Firmenleitung so wichtig gewesen wie dieses kleine Motorrad, welches für verdammt wenig Geld und wahrscheinlich entsprechend geringer Marge auf einen Markt geworfen wird, der wie ein Haifischbecken ist. Die Kunden, gerade die Jugendlichen, haben keine Knete und werden von fernöstlichen Produkten in den Bann gezogen. Diese strotzen zwar vor billiger Anmutung, locken aber dafür mit günstigen Schnäppchenpreisen. Da kann man doch nur lachen – oder?

Wer die vergangenen Zeilen Revue passieren lässt, der liest wohl recht deutlich heraus, dass die KTM 125 Duke ein echtes Motorrad ist. Dass sie an keiner noch so winzigen Stelle auch nur den Ansatz von Billigmeierei zu erkennen gibt, sondern das genaue Gegenteil der Fall ist. Also, entweder ist man bei KTM vollends übergeschnappt, oder man hat sich wirklich mit allem was man hat darauf konzentriert, dieses Motorrad mit einem Hammerpreis auf den Markt zu bringen.

Die Lösung

Zu allererst hat man in Mattighofen wohl lange Zeit die Ohren weit aufgestellt und sich mit denen auseinandergesetzt, die die Zukunft für den Markt und somit das eigene Überleben darstellen. Um dem Nachwuchs ein Motorrad zu bauen, welches er gut findet und das gleichzeitig noch im Rahmen des bezahlbaren bleibt, musste umgedacht werden.

KTM hat dies getan. Die Österreicher haben es geschafft, den Qualitätsanspruch des Europäers in den asiatischen Raum zu übermitteln. Aber nicht nur partiell, wie es andere Hersteller tun, sondern umfassend auf ein ganzes Motorrad. Die 125 Duke und das meiste was an ihr verbaut ist, kommt nämlich aus Indien zu uns.

Bajaj- Auto heißt der indische Riese, der mit über drei Millionen Motorrädern pro Jahr einen straffen Produktionsdurchsatz vorweisen kann. Bajaj hält etwa ein Drittel der KTM Anteile und wurde von Grund auf in das Konzept mit eingebunden. Die komplette Fertigung erfolgt dort und auch die Zulieferteile, bis auf wenige Ausnahmen, stammen aus Indien. In enger Kooperation hat man es geschafft, dass die Zulieferer ihre Qualitätsstandards auf europäisches Niveau anheben.

Das Ergebnis dieser harten Arbeit ist ein Motorrad, das verhältnismäßig kostengünstig produziert werden kann und es dennoch schafft, als vollwertige KTM auszutreten. Wenn man sich überlegt, dass dieser technische Prozess gerade mal zwei Jahre in Anspruch genommen hat, dann ist man sich sicher, dass ganz Mattighofen für dieses Motorrad Kopf gestanden ist.

Nachtritt in die andere Richtung

Andere ehemals namhafte Marken importieren heute billigen China-Kram, ohne selbst auch nur einen Gedanken an Entwicklung und Qualitätsanspruch zu verschwenden. Diesen Schändern altehrwürdiger Herstellernamen sollte man das Handwerk legen! Durch Augenwischerei betrügen die nämlich bloß die arme Kundschaft, weil die jeden Cent drei mal rumdreht bevor er ausgegeben wird.

Allen Geiz-ist-Geil-Kunden senden wir ein Stoßgebet zu, dass sie zur Vernunft kommen und die Nachhaltigkeit ihres Kaufs überdenken. Ein objektiver Vergleich von China- und auch Japan-Semmeln gegen die neue kleine Duke sei jedem ans Herz gelegt. Besser als KTM es macht geht es nicht, jedenfalls nicht zu diesem Preis!

 

ÜBERSICHT ALLER BERICHTE DER AUSGABE 3/2011