S3

Rückblick IDM Saison 2010

Die neue Saison hat zwar schon lange begonnen, doch bevor wir in das IDM-Treiben 2011 eintauchen, wollen wir einen kurzen Rückblick bieten. So zusammengefasst kann man mehr mit dem Status quo anfangen und ist auf schnellstem Wege darüber informiert, wie sich neue und alte Namen in den IDM-Klassen nun schlagen.

IDM Superbike 2010

In der IDM Superbike war eigentlich vor Beginn der Saison alles geregelt. Die gewöhnlich gut informierten Kreise hatten Karl Muggeridge mit seiner Honda als "den Meisterschaftsfavoriten" auserkoren. Nicht, das man einem Martin Bauer, Werner Daemen oder Jörg Teuchert nichts zutraute, aber ein ehemaliger Superbike-WM Fahrer sollte sich in der IDM durchsetzen können. Auch BMW hatte noch mal nachgelegt und den schnellen aber unbeständigen Spanier Julian Mazuecos gegen den WM-erprobten Barry Veneman ausgetauscht. Auf der Rechnung haben musste man auch einen Stefan Nebel, Dario Giuseppetti, Matej Smrz und Gareth Jones die jederzeit für einen Podestplatz, oder auch mehr, gut waren.

Mit Doppelsiegen am Lausitzring und am Nürburgring setzte Muggeridge ein starkes Ausrufezeichen und übernahm souverän die Tabellenführung in der IDM Superbike. Den nächsten Lauf am Sachsenring konnte Muggeridge auch noch gewinnen aber danach erfuhr die Saisonplanung eine empfindliche Störung. Während des zweiten Laufes legte er sich mit Barry Veneman an und tauschte mit ihm eifrig freundschaftliche Gesten aus. Sowas wirkt sich in der Regel negativ auf die Konzentration aus und Muggeridge beendete das Rennen im Kiesbett. Ebenso erging es ihm beim zweiten Lauf am Salzburgring. Die meisten seiner Konkurrenten konnten aus dieser leichten Schwächephase keine Vorteile ziehen, da sie auch immer wieder eine Nullnummer einstreuten. Werner Daemen konnte mit einem Doppelsieg am Salzburgring den Rückstand auf Karl Muggeridge verkürzen. Martin Bauer sammelte ebenfalls stetig Punkte und befand sich auch noch in Schlagdistanz zu Muggeridge. Mit 6 Punkten Rückstand trat Daemen die Reise nach Thüringen zum Schleizer Dreiecksrennen an. Schleiz wiederum stand voll im Zeichen von Dario Giuseppetti und dessen Ducati. Pole Position und Sieg in beiden Läufen – mehr kann man wirklich nicht verlangen. Ein Ausfall im ersten Rennen warf Daemen im Kampf um die Meisterschaft empfindlich zurück. Der folgende Auftritt der IDM in Assen wurde zum Heimspiel für den Niederländer Barry Veneman – volle Punktzahl in beiden Rennen. Im ersten Lauf musste er sich nur Max Neukirchner aus der Superbike-WM geschlagen geben, der aber als Gaststarter keine Punkte bekam.

Zum Saisonfinale am Hockenheimring reiste Tabellenführer Karl Muggeridge mit beruhigenden 31 Punkten Vorsprung vor Werner Daemen und Martin Bauer. Das erste Rennen sah einen entschlossenen Martin Bauer, der das Rennen souverän zusammen mit seinem Teamkollegen Stefan Nebel anführte. Karl Muggeridge dümpelte mit Reifenproblemen auf dem achten Platz rum. In der letzten Runde war in der KTM-Box das Entsetzen groß, als nur noch eine KTM, und zwar die von Stefan Nebel, in das Motodrom einbog. Was war geschehen? Ein Defekt in der Elektronik von Bauers RC 8 zwang den Österreicher auf den letzten Metern zur Aufgabe. Stefan Nebel erbte somit den Sieg vor Werner Daemen und Jörg Teuchert.

Den zweiten Lauf gewann Martin Bauer mit einer ordentlichen Portion Wut im Bauch. Muggeridge ließ sich auf nichts mehr ein und brachte mit einem achten Rang die Meisterschaft nach Hause. Man kann trefflich darüber spekulieren, dass es ohne den Ausfall Bauers für Karl Muggeridge im zweiten Lauf wesentlich ungemütlicher gewesen wäre. In der Abschlusstabelle belegten Werner Daemen und Martin Bauer die Plätze zwei und drei.

IDM Supersport 2010

Ganz schön bunt und gewohnt unübersichtlich war das Bild in der IDM Supersport. In dieser Klasse konnte man Anfang 2010 mindestens fünf Namen nennen, die im Verdacht standen bei der Meisterschaftsentscheidung ein Wörtchen mitreden zu wollen. Das Auftaktrennen am Lausitzring konnte IDM-Rückkehrer Damian Cudlin vor Günther Knobloch und Jesco Günther für sich entscheiden. In Oschersleben siegte im ersten Lauf Kevin Wahr und im zweiten Rennen Michael Ranseder. Fortan entwickelte sich zwischen den Herren Knobloch, Ranseder und Cudlin ein spannender Kampf um die Tabellenführung. Vor allem Michael Ranseder konnte mit mehreren Siegen zur Saisonmitte seinen Ausfall im ersten Rennen kompensieren. Kevin Wahr musste mit zwei Ausfällen in den ersten vier Läufen den Kontakt zur Spitze abreissen lassen und verbrachte den Rest der Saison mit respektvollem Abstand zum Führungsduo. Günther Knobloch verabschiedete sich mit einem technischen Defekt am Salzburgring und einem Sturz in Schleiz aus dem Kreis der Titelkandidaten. Somit war alles vorbereitet für den Showdown in der IDM-SSP beim Saisonfinale am Hockenheimring. Tabellenführer Damian Cudlin reiste mit 16 Punkten Vorsprung vor Ranseder, bei noch zwei zu fahrenden Rennen, an. Viel Diskussionsstoff lieferte das erste Rennen der IDM-Supersport am Samstag Abend. 17 Runden war das Führungstrio aus Michi Ranseder, Damian Cudlin und Günther Knobloch eng beisammen. In der letzten Runde ging der Meisterschaftsführende Cudlin an Ranseder vorbei. Cudlin bog als Erster in die Sachskurve ein und fand sich nach einer Kollision mit Ranseder im Kiesbett wieder. Lachender Dritter war Günther Knobloch der auf den letzten Metern den Sieg vor Ranseder erbte. Nach dem Rennen sah man einen sichtlich angefressenen Damian Cudlin auf dem Weg zur Rennleitung. Auch Michi Ranseder wurde zwecks Klärung des Vorfalls zur Rennleitung zitiert. Abends wurde der Österreicher wegen «unsportlichen Verhaltens» vom Rennen ausgeschlossen. Am Sonntag liess sich Damian Cudlin auf nichts mehr ein und fuhr mit einem vierten Platz in aller Ruhe die Meisterschaft nach Hause.

IDM 125 2010

In der IDM 125 wurde ein Nachfolger für Marcel Schrötter gesucht, der die Klasse in den letzten zwei Jahren dominierte und in die MotoGP abgewandert ist. Zu Beginn der Saison wurde zumeist Marvin Fritz als Meisterschaftsfavorit gehandelt, aber erstens kommt es anders und zweitens als man denkt. Vom ersten Lauf an drückte der 15-jährige Luca Grünwald mit vier Siegen in den ersten fünf Läufen der IDM 125 seinen Stempel auf. Folgen konnten ihm nur der Südafrikaner Mathew Ray Scholtz und Toni Finsterbusch. Beide schwächelten jedoch beim ersten von zwei Läufen auf dem Nürburgring, so das Luca Grünwald nach dem Gastspiel in der Eifel bereits mit 38 Punkten in der Meisterschaftswertung vorne lag. In den folgenden Rennen am Sachsenring und am Salzburgring belegte Grünwald beständig Podestplätze und baute den Vorsprung in der Tabelle weiter aus. Mathew Ray Scholtz konnte noch einen Sieg am Sachsenring verbuchen, verabschiedete sich aber aufgrund einer Sturzverletzung beim Red Bull Rookies Cup in Assen aus dem Meisterschaftsrennen. Zum Schleizer Dreiecksrennen reiste Luca Grünwald mit einem komfortablen Vorsprung vor Toni Finsterbusch. Für Toni Finsterbusch war die Aufgabe klar definiert – wenn er den Punkteabstand auf Grünwald nicht entscheidend verringert, ist die Meisterschaft schon nach sechs von acht Läufen entschieden. Mit einem Sieg am Samstag brachte Luca Grünwald den Plan von Toni Finsterbusch gehörig durcheinander. Beim zweiten Rennen am Sonntag hätte ihm somit ein vierter Platz gereicht, aber Grünwald beendete das Rennen als Zweiter hinter Finsterbusch und sicherte sich vorzeitig und souverän die Meisterschaft in der IDM 125.

Mit Philipp Öttl, Daemien Raemy, Luca Amato haben weitere Fahrer in der IDM 125 ihre Duftmarken hinterlassen. Sie werden höchstwahrscheinlich in diesem Jahr dafür sorgen, dass es den Herren Grünwald, Finsterbusch und Scholtz nicht zu langweilig wird. Für den anfangs erwähnten Marvin Fritz war 2010 unterm Strich eine enttäuschende Saison, auch wenn er beim Saisonfinale am Hockenheimring mit einem Sieg sein Potenzial unter Beweis stellen konnte.

IDM Sidecar 2010

In der IDM Sidecar wurde die Saison von drei Fahrern bestimmt – Kurt Hock, Pekka Päivärinta und Markus Schlosser. Das erste Rennen konnten Kurt Hock/Enrico Becker nach hartem Kampf hauchdünn vor Pekka Päivärinta/Adolf Hänni und Markus Schlosser/Kurt Hofer für sich entscheiden, aber bereits im zweiten Rennen in Oscherleben verletzte sich Enrico Becker schwer und wurde bis zum Schleizer Dreiecksrennen durch Michael Hildebrand ersetzt. Keine Punkte in Oschersleben und ein neuer Beifahrer waren alles andere als optimale Voraussetzungen für Hocks weiteren Saisonverlauf. Nach dem vierten Lauf am Sachsenring übernahmen dann Schlosser/Hofer die Tabellenführung und brachten mit vier Siegen in den letzten vier Läufen die Meisterschaft deutlich unter Dach und Fach. Sie profitierten dabei von der Doppelbelastung bei Päivärinta/Hänni, die ein Rennen wegen eines parallel stattfindenden WM-Rennens und einen Lauf wegen einer Verletzung von Hänni auslassen mussten.

In der IDM Sidecar wurde die Saison von drei Fahrern bestimmt – Kurt Hock, Pekka Päivärinta und Markus Schlosser. Das erste Rennen konnten Kurt Hock/Enrico Becker nach hartem Kampf hauchdünn vor Pekka Päivärinta/Adolf Hänni und Markus Schlosser/Kurt Hofer für sich entscheiden, aber bereits im zweiten Rennen in Oscherleben verletzte sich Enrico Becker schwer und wurde bis zum Schleizer Dreiecksrennen durch Michael Hildebrand ersetzt. Keine Punkte in Oschersleben und ein neuer Beifahrer waren alles andere als optimale Voraussetzungen für Hocks weiteren Saisonverlauf. Nach dem vierten Lauf am Sachsenring übernahmen dann Schlosser/Hofer die Tabellenführung und brachten mit vier Siegen in den letzten vier Läufen die Meisterschaft deutlich unter Dach und Fach. Sie profitierten dabei von der Doppelbelastung bei Päivärinta/Hänni, die ein Rennen wegen eines parallel stattfindenden WM-Rennens und einen Lauf wegen einer Verletzung von Hänni auslassen mussten.

Hinter den drei Spitzengespannen klaffte doch eine ziemliche Lücke, Podestplatzierungen gab es eigentlich nur, wenn eines der Top-Teams stürzte oder nicht am Start war.

Cup Klassen 2010

Im ADAC Junior Cup siegte Lukas Wimmer trotz eines Ausfalls recht deutlich vor Manou Antweiler und Maximilian Eckner. Der Yamaha R6-Cup war traditionell der Schauplatz beinharter Kämpfe. Erst im letzten Lauf ist es den Piloten gelungen ein Rennen ohne vorzeitigen Abbruch über die volle Distanz zu absolvieren. Meister wurde erwartungsgemäß Markus Reiterberger vor Luca Hansen und Lucy Glöckner.

Was sonst noch so auffiel

Der unverwüstliche Andy Meklau hat am Schleizer Dreieck sein letztes IDM Rennen bestritten. A propos Schleiz – Schleiz war mal wieder mit über 40.000 Zuschauern stimmungsmäßiger Höhepunkt der Saison. Philip Hafenegger und Christian Kellner haben ihre aktive Laufbahn nach dem Saisonfinale in Hockenheim beendet.

 

ÜBERSICHT ALLER BERICHTE DER AUSGABE 3/2011