S1

Saisonauftakt

Nur mal angenommen, es würde beim Supermoto zugehen wie beim Pferderennen. Da hätte sich doch Hinz und Kunz angestellt um seinen Zaster auf einen ganz speziellen Gaul zu setzten: "Einmal alles auf Mauno, den blondmähnigen Kaltblüter aus dem Zupin Stall. Bitte!" Die Quote für eine solche Wette wäre ganz schön schwach ausgefallen, davon kann man ausgehen. Doch allen vermeidlich ängstlichen Setzern wäre spätestens beim Start zum zweiten S1 Lauf das Blut in den Adern gefroren. Doch dazu später mehr.

Bleiben wir noch kurz bei dieser Illusion man könne Wetten abschließen. Auf welches Pferdchen hätten waghalsigere Spieler gesetzt? Vielleicht eine Platzierungswette auf Künzel oder Vorlicek? Beide sind mit allem bewaffnet, was man für einen zweiten Platz in der Tageswertung braucht. Also warum nicht? Am Ende des Tages hätte man bei diesen Spielern aber lange Gesichter sehen können. Egal wen der beiden man nun riskanter Weise auf Platz zwei gewünscht hätte. Ohne Gewinn und mit tief in Hosentaschen vergrabenen Händen wäre man vom Platz gewackelt. Seinen Frust hätte man unterwegs ganz trotzig an kleinen Steinchen ausgelassen können, die man vor sich her kickt.

Doch genug von diesem "Hätte-Wäre-Wenn-Szenario" und rein in die Realität.

Zeittraining der S1 in Stendal

Einige Piloten machten sich wirklich Hoffnung nun endlich gegen Hermunen anstinken zu können. Der zeigte sich nämlich etwas weniger dominant als im Vorjahr und spielte zudem noch ein wenig Reifenpoker. Der Finne konnte zwar vorlegen, aber nicht so arg. Nachdem ihm der Neuling Pavel Kejmar, ein Tscheche, der an seiner uralten DSR-Kombi zu erkennen ist, zu sehr auf die Pelle rückte, blies Hermunen allerdings zur Attacke, gönnte sich einen frischen Satz Räder und preschte nach vorne. Hinter Kejmar machte sich Vorlicek breit und Volz war mit der Bauerschmidt KTM fünf Hundertstel schneller als Künzel, was ihm Startplatz vier bescherte.

Volz macht den Holeshot – Rennen 1

Es lag eine unbeschreibliche Spannung in der Luft, die nach Ende der Startaufstellung und Warm-Up Lap bis ins unermessliche stieg. Als endlich die Ampel aus ging reagierte Volz verdammt schnell und lag mit Hermunen auf einer Höhe. Volz war aber innen, was ihm die engere Kurve möglich machte und er die Gegengerade vorm Finnen hinter sich ließ. Künzel, der aus Reihe zwei versucht hatte außen an Hermunen vorbei zu kommen, wurde weit rausgetragen, fühlte sich von Kejmar bedrängt und ging in der ersten Kurve zu Boden. Ein folgenschwerer Sturz für den sechsfachen Deutschen Supermoto Meister, da er einige Zeit brauchte sich unter der Aprilia heraus zu fummeln und danach erst ein Weilchen kicken musste, ehe die Italienerin ansprang. Mit etwa 30 Sekunden Rückstand nahm er dann die Verfolgung auf. Derweil pflügte die Spitze schon in den Offroad, und Volz hielt sich noch immer vor Hermunen. Dahinter hatte Vorlicek Stellung bezogen, gefolgt von Kejmar, dem Österreicher Hannes Maier und Markus Class.

Class wurde im Vorfeld auch als heißer Kandidat gehandelt, hatte er doch im vergangenen Jahr so richtig vorne reinhalten können, doch dem Suzuki Piloten erging es trotz exzellenter Resultate in den freien Trainings nicht besonders gut. Er ging von Rang sieben in die Rennen, wurde aber in beiden von seinem ganz persönlichen "Sturzengel" begleitet. In Runde zwei war Class schon an Maier vorbei, geriet dann im Offroad aber ins Trudeln und wurde von Rudi Bauer passiert. Nur eine Runde später hatte der Wormser seinen Fehler aber schon ausgemerzt und lag wieder auf Position fünf. Um an Volz und Kejmar anzuschließen riskierte Class allerdings zu viel und baute erneut einen Fehler ein, der ihn nun auf Rang neun zurück warf. Rudi Bauer hatte indes schon den nächsten Kandidaten hinter sich. Marcel Götz hatte sich den Gast aus Österreich schnell zurecht gelegt und fuhr von Runde sechs bis zum Schluss auf der fünften Position.

In der Zwischenzeit hatte sich aber auch an der Spitze einiges getan. Hermunen hatte nach der ersten Runde genug orange gesehen und bremste sich innen an Volz vorbei, der von da an heftigen Druck von Vorlicek auszuhalten hatte. Aber nur zwei Runden lang, denn dann bahnte sich Petr seinen Weg vorbei und versuchte vergebens seinen Kumpel Mauno einzufangen. Jetzt wurde Volz von Pavel Kejmar ins Visier genommen. Eine Situation, mit der sich der Saarländer nicht anfreunden wollte. Den Abstand, den Vorlicek sich gegen Mitte des Rennens herausfahren konnte, machte Volz dann nach und nach wieder wett. Kejmar konnte diesen Schritt nicht mitgehen verharrte auf Rang vier. Volz war zum Ende des Rennens wieder an Vorlicek dran, attackierte auch, fand aber kein passendes Mittel um Vorlicek den zweiten Rang abzuluchsen.

Der gestrandete Künzel belegte zum Ende des Rennens Platz 14.

Abflug und Massencrash – Rennen 2

Der Finne eröffnete den zweiten Lauf ein wenig übermotiviert. Er wollte sich offenbar nicht noch einmal von Volz die Show stehlen lassen, überbremste im ersten Eck aber das Vorderrad und nahm eine Bodenprobe. Das Ergebnis war nicht ganz so krass wie zuvor bei Künzel, da die Husqvarna an blieb und der Jüngling sich wie eine Gazelle wieder auf sie drauf schwingen konnte. Somit peilte er schon am Ende der Gegengeraden seine ersten Opfer an.

Volz, Künzel, Kejmar und Vorlicek, gefolgt von Class, Bauer, Trávnicek und Maier – so ging es im zweiten Rennen erstmals in den Offroad. Doch diese erste Durchfahrt hatte es in sich! Pavel Kejmar und Petr Vorlicek waren sich an der Schanze des großen Table uneinig, gingen zu Boden und ließen einen Großteil des Feldes auf sich auflaufen. Mindestens sechs Motorräder mitsamt Piloten lagen in der Anfahrt zum Table verteilt, wodurch der Rest des Feldes zäh daran vorbei manövrieren musste. Gott sei Dank hatte sich niemand ernsthaft verletzt, doch für Vorlicek und Class ging es aufgrund technischer Probleme nicht weiter. Neu sortiert standen als Verfolger von Volz und Künzel nun Rudolf Bauer, Marcel Götz und Lukas Höllbacher parat.

Für Hermunen brachte der Crash am Table zwei entscheidende Vorteile mit sich. Zum einen machte er direkt viele Plätze gut, weswegen er sich schon in Runde eins wieder mitten im Feld bewegte, und zum anderen wurde die Spitze auf Anhieb gestreckt. Dadurch waren die ersten Gegner des Finnen vereinzelt auftauchende Hindernisse, die schnell umschifft waren. So zauderte er in der Regel nicht lange. In der zweiten Runde sah er den Schweden Ken Svanberg eine aus seiner Sicht unmögliche Linie fahren und beschloss kurzerhand eine Lektion zu erteilen. Svanberg nutzte die Fahrbahn nicht komplett aus und ließ innen an den Curbs so viel Platz, dass Hermunen dazwischen stach um binnen Millisekunden vorm Schweden zu sein. Dieser hatte eine solche Attacke beim besten Willen nicht erwartet, erschrak vor der plötzlich auftauchenden Husqvarna neben sich und viel zuerst vom Glauben und dann vom Motorrad.

In der dritten Runde lag Hermunen schon auf Rang sechs, während Künzel vorne an Volz rumdokterte, aber kein passendes Mittel fand. In dieser dritten Runde bahnte sich Hermunen seinen Weg durch die Alpenländer, in dem er zuerst die Österreicher Lukas Höllbacher und Rudolf Bauer aufschnupfte und danach Marcel Götz niederkämpfte. Nun lagen nur noch Volz und Künzel vor ihm. Weitere sechs Runden später war er an Künzel dran. Hermunen schaute sich den Kampf im Platz eins ein Momentchen lang an, entschied sich dann ein Wörtchen mit zu reden und machte Künzel in der elften Runde zum Dritten. In Runde zwölf kam es dann wie erwartet, dass er auch noch an Volz vorbei ging und dem zweiten Saisonsieg entgegen fuhr.

S1 Meisterschaftsstand nach 2 von 14 Rennen:

  1. Mauno Hermunen (#131) / Husqvarna - 50 Punkte
  2. Markus Volz (#3) / KTM - 42 Punkte
  3. Marcel Götz (#54) / Kawasaki - 34 Punkte
  4. Jürgen Künzel (#74) / Aprilia - 30 Punkte
  5. Steffen Schmid (#80) / KTM - 28 Punkte
  6. Andre Plogmann (#26) / Suzuki - 27 Punkte
  7. Pavel Kejmar (#71) / Suzuki - 27 Punkte
  8. Harry Näpflin (#9) / Kawasaki - 26 Punkte
  9. Alexander Köckritz (#232) / Suzuki - 24 Punkte
  10. Ken Svanberg (#73) / Yamaha - 24 Punkte

Resümee nach Stendal

Hermunen ist auch nach der Winterpause und auf neuem Motorrad in einer anderen Welt unterwegs. Aber ganz klar, der Finne ist Profi, verdient im Gegensatz zu allen anderen seinen Lebensunterhalt mit dem Motorradfahren, und ist zweifelsohne ein Ausnahmetalent.

Volz ist mit seiner 2011er Bauerschmidt KTM, welche auf Basis einer SX-F entstanden ist, ein heißer Kandidat auf den Vizetitel. Volz bewies ein hohes Maß an Konstanz und Kampfeslust und bekundet absolute Zufriedenheit mit Team, Motorrad und Rennergebnis.

Künzel ist dabei, muss sich aber gerade vor Volz in Acht nehmen. Das ganz frische Motorrad war zum Zeitpunkt der Rennen von Stendal noch nicht fertig, weswegen Arbeit der Zwischenzeit noch nicht umgesetzt werden konnte. Mit ein wenig mehr Punch hätte Künzel der KTM von Volz vielleicht Paroli bieten können. Gemessen daran wie gut JK's Aprilia aus 2010 schon ging stellt sich nun die Frage, was die Bauerschmidt SX-F für eine Waffe sein muss.

Vorlicek war in Stendal der Zweitschnellste! Zwar nicht im Ergebnis, aber im Rennfluss. Er konnte im ersten Lauf echt ein Stück weit mit Hermunen mithalten und zeigte sich insgesamt als extrem schlagfertig. Wahrscheinlich trainiert der Tscheche neuerlich noch mehr, jetzt wo Hermunen sein zentral-europäisches Lager in unmittelbarer Nachbarschaft aufgeschlagen hat.

Pavel Kejmar, der Bursche in der ausgemusterten Vorlicek Kombi, der mit Pudelmütze und schläfrigem Blick durchs Fahrerlager wankt. Er bot als Neuling eine abgefahrene Vorstellung. Mit Supermoto beschäftigt sich der Tscheche noch gar nicht so lange. Ursprünglich war er im Motocross und Supercross unterwegs. Wir werden sehen in wie fern er seine hohe Performance aus Stendal weiter ausbauen kann.

Steffen Schmid – der beste Aufsteiger

Von den aufgestiegenen Piloten aus der C-Klasse bewies Steffen Schmid mit einem 8. und einem 10. Platz das beste Neulings-Potential in Stendal. Im zweiten Rennen war Schmid einer der Crash-Involvierten, was seine zehnte Position sogar noch ein wenig aufwertet. Den jungen Herren wird man sicher als Dauergast in den Top-Ten der 2011er Saison finden.

 

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