SX-Cup

Was ist eigentlich Supercross? Motocross sollte ja jedem klar sein, aber was soll an Supercross so SUPER sein? Dickere Maschinen mit mehr Leistung, oder wie soll man das verstehen? Umgekehrt ist es der Fall, es wird was kleiner als es beim Motocross der Fall ist. Zwar nicht die Leistung oder der Hubraum, sondern die Strecke – die wird plötzlich SUPERklein. Doch zur Begriffserklärung wagen wir einfach mal einen schnellen Blick in die deutsche Wikipedia:

Supercross (SX) – Die Rennen finden vorwiegend in Hallen oder Stadien statt, die speziell für die jeweiligen Veranstaltungen präpariert, d. h. mit Erde oder Lehm aufgefüllt werden. Der Boden im Supercross ist gewöhnlich hart. Da in einer Halle nur begrenzter Raum zur Verfügung steht, ist das Streckenlayout technisch anspruchsvoll und spektakulär. Es gibt verhältnismäßig viele Sprünge, sodass dem Fahrer kaum Zeit bleibt, "zur Ruhe" zu kommen. Deshalb werden Supercross-Rennen über eine kurze Distanz (etwa 15 Minuten pro Rennen) ausgetragen. Pro Veranstaltung sind viele Läufe zu sehen, da nur wenige Fahrer gleichzeitig fahren können. Es wird über Qualifikationsläufe sowie später Achtel-, Viertel- und Halbfinale selektiert, wer schließlich im "Main-Event", dem sogenannten Finale und gleichzeitig Höhepunkt der Veranstaltung, antreten darf. Supercross-Veranstaltungen zeichnen sich nicht bloß durch die Rennen, sondern auch durch ein großes Rahmenprogramm mit Musik und Freestyle-Shows aus. In Deutschland finden die Veranstaltungen meist in Hallen mit bis zu 10.000 Zuschauern statt. In den Vereinigten Staaten werden die Rennen dagegen in großen, häufig überdachten Football-Stadien ausgetragen, die bis zu 75.000 Zuschauer fassen. Der Vorteil für den Zuschauer ist hierbei die Möglichkeit, die gesamte Strecke zu überblicken. Die bisher erfolgreichsten Supercrosser sind Ricky Carmichael und Jeremy McGrath.

Das liest sich doch angenehmer als man ursprünglich erwartet hätte und umschreibt die Eigenschaften des Supercross sehr treffend. In Deutschland wird die Supercross Serie rein zur Überbrückung der gähnend langweiligen Wintermonate genutzt. Der ADAC SX-Cup hat fixe Hallen, in denen es alljährlich zum Event kommt. Hin und wieder wechselt schon mal der Veranstalter, aber davon bekommen die Zuschauer und Fans eh nichts mit. Eine Veranstaltung des SX-Cup dauert in der Regel zwei Tage, einzige Ausnahme hierbei ist Dortmund, wo der Sonntagnachmittag zwar noch drangehängt, aber nicht in der Cup-Wertung berücksichtigt wird. Somit trägt jede Veranstaltung mit zwei Finalen zur Wertung der SX1 und SX2 bei. Bis es soweit ist, wird viel Material zerstört und einiges an Show geboten. Ein SX Lauf in deutschen Hallen gleicht Hubschauberfliegen im Wohnzimmer. Wer sich seinen Favoriten nicht von Anfang an im Auge hält, der wird in der Hektik der Rennen kaum eine Chance finden, um dessen Position zur Mitte des Rennens auszumachen. Dann stellt man sich gern mal die Frage: "Ist der vor dem jetzt einer den er überrundet, oder macht er gleich nen Platz gut?" Quasselnde Nachbarn oder mürrische Ehefrauen sollten daher mit gezielten Maßnahmen ruhig gestellt, oder einfach ignoriert werden. Für vollends Unbedarfte gilt die Empfehlung, dass man sich zu Beginn des Rennens auf einen Kandidaten einschießt und versucht dessen Werdegang im Rennen zu verfolgen. Klar bietet sich da der Führende an, weil man dann auch das Gejubel der anderen nachvollziehen kann, aber es darf gerne auch mal ein anderer beobachtet und analysiert werden.

Fern ab von der Gesamtergebnis des Cups, krönt jeder Veranstalter einen König und einen Prinzen. König wird der Fahrer, welcher in den Finalen der MX1-Klasse die meisten Punkte sammeln konnte. Prinz ist logischer Weise der, der in der MX2 das fetteste Konto angehäuft hat.

Die Events und ihre Regenten

12.-13. November 2010 – Stuttgart: In der Hanns-Martin-Schleyer-Halle fand das Supercross zum 28. Mal statt und die Halle war wieder mal brechend voll. Knapp 16.000 Zuschauer konnten an zwei Abenden mitverfolgen, wie der US-Amerikaner Matt Goerke den König von Stuttgart einheimste und der Deutsche Dennis Ullrich mit seiner Honda den Prinzen-Titel einfuhr.

26.-27. November 2010 – Chemnitz: Die Messehalle 1 der Chemnitz Arena ist die mit Abstand kleinste Halle des SX-Cup. Zum einen für Streckenbauer und Fahrer, zum anderen aber auch von der Anzahl der Zuschauerränge. Die Halle packte an beiden Veranstaltungstagen schätzungsweise 8.500 Zuschauer, aber die Show war bei weitem nicht geringer als zuvor in Stuttgart. Vor allem der Jubel, unter welchem Daniel Siegl am Freitag im Finale auf Rang fünf fuhr, war grandios. Den Königstitel holte sich hier aber Teddy Maier aus den USA, der somit in der Cup Wertung hinter Goerke den zweiten Platz einnahm. Florent Richier, der spätere Sieger des Cups, lag zu diesem Zeitpunkt noch auf Rang sechs der Gesamtwertung und hatte noch einiges an Arbeit vor sich. Prinz von Chemnitz wurde Ashley Greedy, der somit auch gleich die Tabellenführung übernahm.

18.-19. Dezember 2010 – München: Die Olympiahalle zu München ist von allen im SX-Kalender vertretenen Gebäuden das größte. Leider halten sich die Münchner mit der Veröffentlichung von Zuschauerzahlen immer vornehm zurück und fahren auch ansonsten eine andere Strategie. Hier wurden die Heats auf Samstagabend und den Sonntagnachmittag gelegt. Geschätzt darf man von fast vollen 9.500 am Samstag ausgehen und zusätzliche 7.500 am Sonntag. Also auch nicht schlecht! Hier packte es Richier jedenfalls zum ersten mal als König von Dannen zu ziehen. Zwar konnte er samstags nur verhalten punkten, doch sein Sieg am Sonntag riss es raus. In der SX2 war wieder mal Greedy der beste Mann und baute somit automatisch seinen Vorsprung in der Gesamtwertung aus. Richier war vorerst auf Rang drei vorgerückt.

7.-9. Januar 2011 – Dortmund: Wie hoch auch immer das Fassungsvermögen der Dortmunder Westfalenhallen sein mag, sie war voll. Das 28. SX in Dortmund war wieder mal ein voller Erfolg für die Westfalen und verdiente sich den Status des finalen Akt aufs Neue. Hier machte Florent Richier den Sack zu. Am Samstag sattelte er den SX-Cup, lag aber in der Veranstaltungswertung noch hinter seinem Landsmann Cedrik Soubeyras. Im Finale am Sonntag baute Soubeyras aber in Führung liegend einen Fehler ein und Richier wurde auch hier König. In der MX2 schaukelte Greedy den Seriensieg ganz locker aus der Hüfte und wurde Meister. Ob er auf den Prinzentitel einfach gepfiffen hat weiß man nicht, jedenfalls überließ er den einem jungen Lockenkopf aus den USA. Austin Politelli auf einer Waldmann Honda machte das Ding klar und wurde fortan der goldige Prinz von Dortmund genannt.

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