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21. Februar 2011
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Magazin 2011-01
24.-25. April 2010
Sieben lange Monate lagen zwischen dem Finale der 2009er DM und dem Saisonauftakt des Jahres 2010. Eine lange Durststrecke für Fahrer und Fans. Alle brannten darauf, das neue Material im Ernstfall einsetzen zu können. Als Auftakt der Supermoto-DM diente wie schon so oft der Flugplatz von Stendal. Eine riesige Betonfläche mit weitläufigem Offroad und einigen echt schnellen Streckenteilen.
Geschichte des Platzes
Das Gelände wurde 1934 erstmals erschlossen und diente, mit zwei Start-Landebahnen auf Rasen, den deutschen Fallschirmjägern als Ausbildungsstandort. Während des zweiten Weltkrieges starteten Transport- und Jagdflugzeuge von dieser Grasbahn zu ihren Einsätzen. Nachdem die Engländer das Gebiet und auch den Flugplatz erobert hatten, diente er vorerst als Lazarett und Kriegsgefangenenlager, bis die Übergabe an die Sowjet-Truppen erfolgte. Diese nutzen die Bahnen wieder für die Fliegerei. 1954 begannen sie mit dem Bau der 52 Meter breiten Betonpiste, die sich auf der stattlichen Länge von 1.997 Metern erstreckt. Eine Maßnahme, die es großen Transportflugzeugen und den russischen MIG-Kampfjägern ermöglichte, Stendal anzufliegen. Die MIGs wurden später dann von Helikoptern abgelöst und 1992 endete die militärische Nutzung des Platzes schließlich. Seitdem wird der Flugplatz vom AeroClub Stendal e.V. bewirtschaftet und zivil genutzt. Seit 2001 ist die Supermoto-DM Stammgast auf dem Flugfeld. Nur 2008 musste Stendal pausieren, da man der 50 Kilometer südlich gelegeneren Landeshauptstadt Magdeburg den Vortritt gelassen hat.
Ein paar Worte zu Stendal
Das Städtchen selbst hat in den vergangenen Jahren ganz schön Haare gelassen. Seit der Wende ist die Einwohnerzahl von Jahr zu Jahr gesunken, was wohl seine Gründe zu haben scheint. Gab es 1989 noch stolze 51.000 Stendaler, so sind es heutzutage nicht mal mehr 35.000 Menschen, die den Flecken in der Altmark besiedeln. Ein kleines, aber wohl wenig repräsentatives TV-Highlight wurde Stendal durch die RTL-2-Serie "Ärger im Revier" zuteil, in der zwei Polizisten ihren Kampf gegen Kleinkriminelle in Stendal dokumentieren ließen.
S1 – Bühne frei für Mauno Hermunen
Schon beim ersten Aufeinandertreffen zeigte Mauno Hermunen was die Konkurrenz und die Fans von ihm zu erwarten haben. Er dominierte das Geschehen auf den Betonplatten von Stendal nach Belieben. Bernd Hiemer, der sich als zweifacher Weltmeister sicher selbst genauso in der Favoritenrolle sah, wie seine deutschen Fans, bekam von dem Finnen eine echte Packung verabreicht. Der segelte ihm im Zeittraining und in beiden Rennen auf und davon und sammelte seine ersten 50 Punkte für den Meistertitel.
S1 – Weltmeister am Boden
Hiemer verschaffte seinem neuen orange-blauen MVD-Suite in Rennen eins die ersten Kratzer. Beim Versuch an den Finnen heran zu kommen, erwischte Hiemer in voller Schräglage eine Bitumen Fuge der Rollbahn von Stendal und ging unsanft zu Boden. Er steckte danach aber nicht auf, überholte einige Nutznießer seines Sturzes und wurde zum Schluss immerhin noch Sechster. Das zweite Rennen konnte er auf Rang zwei abschließen. Zwar mit einigem Abstand zu Künzel, doch um Hermunen wahrlich an den Fersen zu bleiben, reichte es nicht.
S1 - Guter Einstand mit Aprilia
Gerade mal zwei Wochen hatte Jürgen Künzel Zeit um sich an den neuen Zweizylinder zu gewöhnen und das italienische Geschoss auf seine Ansprüche einzustellen. Das Zocken der Wintermonate hatte sich aber offenbar gelohnt, denn schon im ersten Lauf war Künzel vorne dabei, bremste dann aber seinen Motor aus und belegte am Ende den fünften Rang. In Rennen zwei lief es dann wie am Schnürchen und Künzel feierte den dritten Platz. Nach den Rennen war er guter Dinge, versprach weitere verbesserung nachdem das Fahrwerk fertig eingestellt sei und zog zufrieden von Dannen. Noch auf dem Weg in die Heimat wechselte er das Ziel seiner Reise – ab ins Krankenhaus. Seine Freundin Madeleine war nämlich soweit und brachte in der Folgenacht dem kleinen Ben zur Welt.
S1 – Patzer beim Meister
Petr Vorlíček war mit seinem Einstand nicht sonderlich zufrieden. Im ersten Lauf lag er auf dem zweiten Rang, als er sich wenige Kurven vor Ende der letzten Runde den Motor ausbremste und seinen Rang an Markus Class abgeben musste. Diese Schmach traf Vorlíček sicherlich noch schlimmer, als sein neuerlicher Positionsverlust gegen Class im zweiten Rennen. Auch dies geschah in der letzten Runde, aber da hatte sich Class seinen vierten Platz von Vorlíček erkämpft und ihn nicht auf dem Silbertablett serviert bekommen.
S1 – Starker Auftakt von Markus Class
Der junge Suzuki-Pilot war fahrerisch wohl die größte Überraschung der S1. Dass er dem amtierenden Meister dermaßen die Hölle heiß macht, hatte so wohl niemand erwartet – außer Papa Class vielleicht. Class hatte sich in beiden Rennen an Vorlíček festgefressen und trieb ihn im ersten Rennen sogar in den Fehler. Sein abgebrühtes Überholmanöver aus dem zweiten Lauf sicherte ihm den vierten Platz.
S1 – Kawa Connection
Der grüne Dreier unter Schweizer Leitung kam in Stendal überhaupt nicht in Fahrt. Einzig Julian Becher wurde den in ihn gesteckten Erwartungen ansatzweise gerecht, während Harry Näpflin und Marcel Götz scheinbar im absoluten Formtief die neue Saison angingen.
S1 – Es muss nicht immer HPS sein
Markus Volz hatte erstmal das Vergnügen auf einem verhältnismäßig seriennahen Renner in die Saison zu starten. Nicht dass sein neues Team keinen Plan von gescheitem Tuning hat, aber bei Bauerschmidts setzt man aus Tradition heraus Kosten und Nutzen zueinander in Relation. Ein Grundsatz, der beim früheren Teamchef von Volz kaum ausgeprägt war. So stand Volz mit einer anständig gepimpten KTM 450 SMR an der Spitze der zweiten Startreihe und erntete Rang vier und sechs.
S1 – Meisterschaftsstand nach 2 von 12 Rennen:
- Mauno Hermunen (#131) / Husqvarna - 50 Punkte
- Markus Class (#111) / Suzuki - 40 Punkte
- Bernd Hiemer (#12) / KTM - 37 Punkte
- Jürgen Künzel (#74) / Aprilia - 36 Punkte
- Petr Vorlicek (#2) / Suzuki - 36 Punkte
- Markus Volz (#3) / KTM - 33 Punkte
- Jean-Marc Gaillard (#4) / Honda - 26 Punkte
- Dirk Spaniol (#17) / Suzuki - 26 Punkte
- Julian Becher (#98) / Kawasaki - 26 Punkte
- Harry Näpflin (#9) / Kawasaki - 22 Punkte
S2 – Des einen Freud ist des anderen Leid
Kurz nach dem Start luchste Michi Herrmann seinem Widersacher Jochen Jasinski die Führung ab und litt ab da zurecht unter Verfolgungswahn. An jeder zweiten Ecke schob Jasinski das Vorderrad neben Herrmann, nur um sicher zu sein, dass die Spannung nicht verloren geht. In der neunten Runde erlöste er Herrmann. Mit viel Schmackes zog Jasinski vorbei, um sich seine Führung zurück zu erobern. Die Geraden von Stendal sind das rechte Terrain für die sonore Husaberg des Hessen. Nach dieser Revanche sah Herrmann keinen Stich mehr und begnügte sich mit Rang zwei.
Das zweite Rennen machte Herrmann dann wieder mehr Spaß. Er konnte Jasinski im Offroad bezwingen und danach unbehelligt seinen ersten Saisonsieg einfahren. Jasinskis Hinterrad litt nämlich unter Felgenbruch und zwang den Meister zur Aufgabe.
S2 – Spaniol konnte nichts sehen
In beiden Rennen war Spaniol hinter den beiden Streithähnen unterwegs und erntete auch den zweiten Rang von Jasinski. Doch der Abstand des Saarländers zur Spitze war so groß, dass er von dort vorne nichts mitbekam. Im ersten Rennen trennten ihn etwa 32 Sekunden von Herrmann.
S2 – Die junge Gefolgschaft
Stefan Freyermuth hatte einen kleinen Gastauftritt in der Supermoto-DM und fuhr unter der Flagge von Taunus-Moto. Sein Ergebnis war ansehnlich. Nun stellt sich die Frage ob sein Abmarsch in die spanische Meisterschaft wirklich so sinnvoll ist. Nico Joannidis belegte in beiden Rennen den vierten Platz, verhielt sich aber ansonsten recht unauffällig und fuhr einfach seinen Stiefel. Bei Jan Deitenbach ging es da ein wenig auffälliger zu. Verbocktes Training, Defekt im ersten Rennen und der sechste Platz im zweiten Rennen.
S2 – Meisterschaftsstand nach 2 von 12 Rennen:
- Michael Herrmann (#5) / Husqvarna - 47 Punkte
- Dirk Spaniol (#17) / Suzuki - 42 Punkte
- Nico Joannidis (#116) / Husaberg - 36 Punkte
- Stefan Freyermuth (#252) / Husqvarna - 34 Punkte
- Michael Wagner (#3) / Honda - 31 Punkte
- Frederik Eriksson (#14) / Honda - 28 Punkte
- Joachim Bauer (#70) / Husaberg - 26 Punkte
- Jochen Jasinski (13) / Husaberg - 25 Punkte
- Toni Krettek (#51) / Suzuki - 21 Punkte
- René Tänzer (#94) / Husqvarna - 21 Punkte
Tipps für Feinschmecker
Wer zwischen den Rennen mal was Leckeres essen möchte, dem können wir für Stendal einen guten Tipp geben. Auf der Rennstrecke, zumal wenn sie außerorts gelegen ist, beschränkt sich das kulinarische Angebot meist auf Fast-Food-Lösungen. Eine vergleichbar sehr schmackhafte Variante findet man am mobilen Kebab-Stand im Fahrerlager. Die dort angebotene Klappstulle können wir unseren Lesern guten Gewissens ans Herz und in den Magen legen.
ÜBERSICHT ALLER BERICHTE DES SUPERMOTO SPEZIAL
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