Lichtenberg

26.-27. Juni 2010

Zum dritten Heat der Supermoto-DM reisten die Fahrer ins Erzgebirge. Um genau zu sein ging es auf den Erzgebirgsring nach Lichtenberg, einer Kart- und Supermoto Bahn. Die Rennstrecke ist noch verhältnismäßig jung. Dennoch gibt es schon einiges über sie zu erzählen. Ursprünglich war auf dem Hügel, der einem betagten Unternehmer aus Lichtenberg gehört, ein Abladeplatz für Bauschutt. Vorrangig wurde Aushub, der beim Bau der A4 anfiel, dort hingekarrt und angehäuft. Irgendwann kam der örtliche Cross Club auf die Idee das Gelände für sich zu erschließen und planierte und hügelte sich über Jahre hinweg neue Bahnen in den Schuttplatz. Dietmar Böhme, so heißt der betagte Mann, unterstützte die Crosser mit Baugeräten und alles ging seinen Lauf. Irgendwann wurde man sich aber uneins und die Crosser zogen von Dannen. "Nicht weiter schlimm." - dachte sich Böhme und überlegte sich einen neuen Verwendungszweck für das Areal. "Eine Kartbahn wäre toll, aber groß genug, dass man schnell fahren kann und diese andere Sportart... ähhh – das wo die Crosser mit Straßenreifen fahren, das will ich auch dabei haben." Der rüstige Rentner ließ fortan in regelmäßigen Abständen Asphalt in der Grube verteilen und gestaltet seit nunmehr sechs Jahren seinen Erzgebirgsring. Heute hat der Ring eine Asphaltlänge von 1.100 Metern, besitzt 200 Meter permanenten Offroad und zusätzlich noch 200 Meter asphaltierten Offroad – ein Dorado für Supermoto–Freaks!

Gestaltungshelfer

In den Anfangszeiten, als die grundlegenden Baumaßnahmen anstanden, bat Böhme immer wieder Jürgen Künzel auf der Baustelle vorbei zu schauen, um geplante, oder bereits angelegte Streckenabschnitte zu begutachten. Dies tat der Deutsche Rekordmeister auch regelmäßig, wodurch eine Art Männerfreundschaft zwischen den beiden entstand. Naturgemäß ist Künzel auch einer der DM-Piloten, welche den Erzgebirgsring regelmäßig zum Training nutzen. Ein Zweiter heißt Mauno Hermunen. Der Finne hatte 2010 im nahegelegenen Dresden seine Zelte aufgeschlagen. Von der Elbestadt bis nach Lichtenberg ist es nur ein Katzensprung und Hermunen sprang oft vorbei. Manchmal hatte er bei der Gelegenheit noch die Kollegen Kingelin und Vorlíček im Gepäck.

S1 – Hermunen vollkommen entspannt

Mit Beginn des Zeittrainings stürmte ein Großteil der Piloten direkt wie von der Tarantel gestochen los. Ein bescheuertes Sprichwort, wenn man bedenkt, dass Taranteln beißen und nicht stechen. Bevor man auf dem Erzgebirgsring über die Induktionsschleife der Zeitnehmer huscht, fährt man fast eine komplette Runde, weshalb die erste gezeitete Runde auch gleichzeitig die erste fliegende ist. Nun, lange Rede kurzer Sinn, Hermunen nutzte genau diese erste fliegende Runde, um sich ein sattes Polster von etwa einer Sekunde auf die Konkurrenz heraus zu fahren. Kehrte danach wieder selig in die Box ein und wartete ab. Runde um Runde wurde der Rest der Truppe schneller und schließlich, als Bernd Hiemer die Bestzeit unterboten hatte, machte der Hermunator sich wieder auf den Weg. BÄNG! Wieder fast eine Sekunde schneller und in der anschließenden Runde packte er noch eine Schippe drauf. Kein Herankommen für Hiemer, Class und Künzel.

S1 – Schlappe Pumpe bei Hiemer

Unmittelbar nach dem Start zum ersten Rennen preschte Hermunen vorne weg, gefolgt von Hiemer, der sich beim Start gegen Class zur Wehr setzen musste. Doch Hiemer verbremste sich wenig später und fiel schon in der ersten Runde hinter Class und Künzel zurück. Gut informierte Supermoto-Fans fragen sich nun sicherlich, seit wann es möglich ist, dass Hiemer sich verbremst? Der Doppelweltmeister hatte die Erklärung parat: "Ich hatte Probleme mit der Bremspumpe und musste während des Rennens öfters nachstellen." Das machte es ihm unmöglich die Bremspunkte einzuhalten. Es fing in der Einführungsrunde an und wurde immer schlimmer. "Zum Schluss hatte ich die Bremse komplett zudrehen müssen", beschreibt Hiemer das Problem. Während Hermunen vorne immer weiter ausriss, hatte Class jetzt Künzel und Hiemer im Nacken. Künzel bot Class keinen sonderlich guten Puffer, denn er gab den Druck den Hiemer von Rang vier machte ungedämpft weiter und schob Class rundenlang über den Platz. Selbst als Hiemer nach erneutem Bremsdilemma zwischen Becher und Vorlíček wieder auf die Bahn kam, minderte der Rekordmeister nicht das Tempo und heizte Class gehörig ein. "Ich war zwar verdammt nah dran am Class, aber es hat nicht zum überholen gereicht. Dazu war der Bursche dann doch zu schnell." So endete das erste Rennen dann auch. Hermunen legte weniger Kohlen auf und ließ den Abstand konstant, Class verteidigte Rang zwei vor Künzel und Hiemer nahm sich von Becher noch den vierten Platz zurück.

S1 – Alles nach Plan

Vor dem zweiten Rennen hatte Hiemer sich neues Bremswerkzeug angebaut und wollte es nun wissen. Doch beim Start war Class den entscheidenden Tick schneller, setzte sich kurzzeitig vor Hiemer, musste seine zweite Position allerdings beim Weg in den frisch gewässerten Offroad wieder an Bernd abtreten. Noch in der selben Runde huschte auch Künzel vorbei und klinkte sich an Hiemers Heck ein. Hermunen, der wieder mal an der Spitze rumfuhr, zeigte sich von seinen Verfolgern beeindruckt und heizte seiner Husqvarna gehörig ein. "Im zweiten Rennen musste ich noch schneller fahren, weil ich Hiemer hinter mir hatte. Aber nach ein paar seeeehr schnellen Runden hatte ich den Abstand, den ich brauchte." Diesen Abstand hielt er bis zum Schluss und siegte erneut. Künzel ließ sich von Hiemer ein Weilchen mitziehen, sparte dann aber besonnen ein wenig Pulver ein. "Ich konnte lange mit Bernd Schritt halten und das Motorrad hat im zweiten Lauf perfekt gepasst. Aber ich hatte dann so viel Abstand zu Class und Bernd vor mir, den ich hier niemals hätte überholen können, da hab ich dann ein paar Prozent runter geschraubt." Vierter Platz für Class, der es dieses Mal zwar nicht aufs Podest schaffte, sich aber ähnlich wie Künzel äußerte. "Das zweite Rennen war absolut ok für mich. Als Künzel außer Reichweite war und ich genügend Platz auf Vorlíček hatte, da hab ich einfach ein wenig ruhiger gemacht." Eine Einsicht, die man von Class so bisher nicht kannte. Diese Erkenntnis wird ihm in Zukunft so manches Pünktchen sichern, was den Suzuki-Piloten um so gefährlicher macht.

S1 – schwaches Wochenende für Volz

Beim Autoverwerter lief in Lichtenberg scheinbar überhaupt nichts rund. Seine Vorstellung erinnerte an die der Kawa-Truppe beim Auftakt in Stendal. Mit den Plätzen zehn und acht blieb er um einiges hinter seinen Möglichkeiten.

S1 – Meisterschaftsstand nach 6 von 12 Rennen:

  1. Mauno Hermunen (#131) / Husqvarna - 150 Punkte
  2. Jürgen Künzel (#74) / Aprilia - 118 Punkte
  3. Bernd Hiemer (#12) / KTM - 115 Punkte
  4. Petr Vorlicek (#2) / Suzuki - 105 Punkte
  5. Markus Class (#111) / Suzuki - 103 Punkte
  6. Markus Volz (#3) / KTM - 92 Punkte
  7. Julian Becher (#98) / Kawasaki - 84 Punkte
  8. Marcel Götz (#54) / Kawasaki - 72 Punkte
  9. Harry Näpflin (#9) / Kawasaki - 59 Punkte
  10. Asseri Kingelin (#11) / Honda - 57 Punkte

S2 – Trainingsfieber

Im ersten Training glänzte der amtierende Meister in zweierlei Hinsicht. Zum einen fuhr er die schnellste Zeit und zum anderen strahlte seine neue Lederkombi in wunderschönen blau. Die Zeiten in Freien Trainings haben wenig Aussagekraft, doch es sei erwähnt, dass Tabellenführer Herrmann im zweiten die schnellste Zeit fuhr. Bis dahin unentschieden. Im Zeittraining boten die beiden einen erbitterten Kampf gegen die Uhr, bei dem Herrmann seine Husqvarna 0,041 Sekunden fixer um den Parcours trieb als Jasinski die Husaberg. Für Startplatz drei nagelte Jan Deitenbach die passende Zeit und reiht sich somit wohl endgültig in die Riege der Üblichen Verdächtigen der S2-DM ein. Sein Teamchef Dirk Spaniol durfte seine Suzuki neben Deitenbach an den Start rollen.

S2 – Kein Vorbeikommen für Jasinski

Herrmann setzte seine Ausgangsposition erstklassig um, und wie eine Perlenkette schnurrte die restliche S2 hinter ihm her. Jasinski, Spaniol, Wolf, Joannidis, Deitenbach, Mikkelsen und Wagner würden um die Top-Fünf fahren. Schon in der ersten Runde machte Wolfs Aprilia Zicken und zwang ihn, das Feld zu räumen. Wolf kam zwar später wieder, um als Überrundeter sein Glück zu versuchen, doch nach einem Sturz entschied er sich endgültig, das Fahrerlager aufzusuchen. Indes machten beide Suzukis auf sich aufmerksam. Deitenbach beförderte seine gelbe 480er zweimal ins Aus, kam als 15ter wieder ins Rennen und kämpfte sich bis auf eine hervorragende Position sechs vor. Spaniol schickte seine Suzuki zwar nicht zu Boden, hatte allerdings mit einem Plattfuß am Hinterrad zu kämpfen. Dieser spülte ihn von der dritten auf die 15te und somit letzte Position zurück. An der Spitze des Feldes fuhr der D-Zug aus Herrmann und Jasinski. Die beiden ließen bis zum Schluss keine Müdigkeit aufkommen und fuhren mit sechs Zehntel Abstand über die Ziellinie. Nico Joannidis, seines Zeichens Dritter in diesem Rennen, knallten sie dabei einen Abstand von 22 Sekunden vor den Latz. Andreas Mikkelsen folgte fünf Sekunden später und Michi Wagner konnte ohne große Bedrängnis auf Rang fünf reinrollen. Jasinski meinte nach dem Rennen: "Ich war dran, klar! Aber überholen war einfach nicht drin. Wenn der Michi einen Fehler gemacht hätte, dann vielleicht. Dem Nico hab ich bei der Siegerehrung erst mal gesagt, dass er sich das Sektspritzen verkneifen soll. Schließlich ist meine Kombi krachneu!" Und ohnehin schon blau, möchte man da anfügen.

S2 – Deitenbach vorbei am Teamchef

Zum zweiten Rennen schlüpfte der Meister wieder in seine neue Kombi und das Ergebnis war auch nahezu das gleiche. Wieder stürmten Herrmann und Jasinski davon und selbst als Michi dann mal einen Fehler einbaute, bügelte er diesen so schnell wieder glatt, dass es Jasinski nicht reichte, den Angriff zu vollenden. Dafür tat sich hinter den beiden was. Im Kampf um Platz drei lag Spaniol vor Wolf und Deitenbach. In der fünften Runde musste sich Spaniol gegen Wolf geschlagen geben und wenig später rückte auch Deitenbach nach. Wolf wurde somit zusammen mit Herrmann und Jasinski aufs Podium zitiert, während sich Deitenbach und Spaniol über Platz vier und fünf freuen konnten.

S2 – Meisterschaftsstand nach 6 von 12 Rennen:

  1. Michael Herrmann (#5) / Husqvarna - 147 Punkte
  2. Jochen Jasinski (13) / Husaberg - 113 Punkte
  3. Dirk Spaniol (#17) / Suzuki - 105 Punkte
  4. Nico Joannidis (#116) / Husaberg - 99 Punkte
  5. Michael Wagner (#3) / Honda - 90 Punkte
  6. Jan Deitenbach (#44) / Suzuki - 72 Punkte
  7. Andreas Mikkelsen (#24) / Husqvarna - 72 Punkte
  8. Fabian Riedl (#30) / Suzuki - 63 Punkte
  9. Lukas Wolf (#155) / Aprilia - 58 Punkte
  10. Morten Hagemann (#34) / Husqvarna - 57 Punkte

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