Sankt-Wendel

09.-11. Juli 2010

St. Wendel ist eine kleine, im Norden des Saarlandes gelegene Stadt mit reichlich Rennsport-Tradition. Auch die Supermoto-DM war hier schon des öfteren zu Gast und das ehemalige Gelände der französischen Besatzer diente erneut als Fahrerlager. Um das Rennen durchführen zu können, muss eine Verkehrs-Hauptader des kleinen Städtchens umgeleitet werden. Die B 269 war ab Freitag auf einem etwa 400 Meter langen Teilstück für den öffentlichen Straßenverkehr gesperrt, damit die letzten Vorbereitungen für den Supermoto-Event getroffen werden konnten. Doch die Straße stellt nur die Start-Ziel-Gerade der DM-Bahn dar. Die restliche Strecke führt über den Parkplatz des Wendelinuspark und rund um die Skaterbahn der Stadt. Als Offroad dient ein Stück unwegsames Gelände, welches der Bahn seit nunmehr fünf Jahren unverändert zur Verfügung steht.

Supermoto-DM ist schneller als die WM

Das wohl heißeste Wochenende des Jahres und über 9.500 Zuschauer sahen in St. Wendel vier spannende Rennen der Supermoto-DM. Die Piloten der Deutschen Meisterschaft waren allerdings nicht alleine zu Gast in der saarländischen Motorsport-Metropole. Auch die WM und EM waren mit vor Ort und gaben ihr Bestes. Die Zeiten der DM konnte man aber auch in der WM nicht knacken. Die Reifenbindung der WM macht es den Fahrern an der Weltspitze denkbar schwer, gegen das durch den Wettbewerb bestimmte Reifenangebot aus der DM zu schlagen. Hermunen war mit 58,057 absolut schnellster Mann des Wochenendes. Im Vergleich zu Ivan Lazzarini, der mit 58,603 die schnellste WM-Zeit fuhr.

Lokalmatador Markus Volz gab alles, um einen guten Startplatz zu erlangen und wurde entsprechend belohnt. Mit etwa sieben Zehntel Rückstand auf Hermunen sicherte er sich den zweiten Startplatz. Sein Nachbar in der Startaufstellung war nur 0,001 Sekunden langsamer. Jürgen Künzel startete von Rang drei, gefolgt von Marcel Götz. Bernd Hiemer hatte die Trainings der DM auf WM-Pneus gefahren, ergatterte dadurch nur Startplatz zehn und verzichtete anschließend auf die Teilnahme an den DM-Rennen.

S1 – Vier gegen Jürgen

Mauno Hermunen setzte sich direkt an die Spitze des Feldes und zog davon. Hinter ihm lagen Götz und Volz, doch Jürgen Künzel nahm sich beide gleich in der ersten Runde vor. Künzel spurtete Hermunen hinterher und seinen Verfolgern davon. Bei der Zieldurchfahrt hatte er in beide Richtungen etwa fünf Sekunden Abstand. Das Vierer-Paket dahinter lieferte sich während des ganzen Rennen einen heißen Schlagabtausch, wechselte aber keine Positionen. Götz und Volz standen im Kampf um Platz drei und setzten sich zum Ende des Rennens von Julian Becher und Petr Vorlíček ab. Hermunen gewann vor Künzel, Götz, Volz, Becher und Vorlíček.

S1 – Volz fährt zu Hause auf Platz zwei

Beim Start zum zweiten S1-Lauf war Hermunen wieder in Führung, gefolgt von Volz, Becher, Künzel und Götz. Direkt auf die Kurve der Start-Ziel-Geraden folgt ein Nadelöhr, an welchem Künzel ein wenig übermütig den Versuch startete, innen an Becher vorbei zu kommen. Die Folge: Beide stürzten. Unnötig, aber dennoch von Einsicht geprägt. Noch in der Auslaufrunde des zweiten Laufs entschuldigte sich Künzel reumütig bei Becher. Markus Class, der das erste Rennen verletzungsbedingt sausen lassen musste und zum Zweiten von hinten antrat, stürzte in der zweiten Runde und wurde hinter Becher und Künzel 13ter. Hermunen und Volz waren von all dem nicht betroffen und zogen davon. Volz bot vor heimischem Publikum die stärkste Leistung seiner laufenden Saison und wurde mit einem wohlverdienten zweiten Platz belohnt. Um Rang drei kämpften der Österreicher Hannes Maier und Marcel Götz aus der Schweiz. Götz hatte das Nachsehen und musste sich mit Rang vier zufrieden geben. Vit Janousek aus der Tschechischen Republik wurde Fünfter.

S1 – Meisterschaftsstand nach 8 von 12 Rennen:

  1. Mauno Hermunen (#131) / Husqvarna - 200 Punkte
  2. Jürgen Künzel (#74) / Aprilia - 152 Punkte
  3. Petr Vorlicek (#2) / Suzuki - 134 Punkte
  4. Markus Volz (#3) / KTM - 132 Punkte
  5. Bernd Hiemer (#12) / KTM - 115 Punkte
  6. Markus Class (#111) / Suzuki - 114 Punkte
  7. Julian Becher (#98) / Kawasaki - 113 Punkte
  8. Marcel Götz (#54) / Kawasaki - 112 Punkte
  9. Harry Näpflin (#9) / Kawasaki - 88 Punkte
  10. Asseri Kingelin (#11) / Honda - 78 Punkte

S2 – In letzter Sekunde die Pole gesichert

Michi Herrmann, Nico Joannidis und Lukas Wolf gaben sich alle Mühe. Doch am Ende war es Jochen Jasinski, der völlig lässig, aber in allerletzter Sekunde die Pole Position für sich beanspruchte. Das Training war bereits abgewunken und Jasinski konnte noch seine letzten Runde fertig fahren. Er schaffte es, in dieser Runde mit 0,075 Sekunden Vorsprung auf Herrmann die Pole zu sichern.

S2 – Frühstart bei Herrmann

Aufgrund einer langen Wartephase an der Startampel war Herrmann offensichtlich verwirrt. Er zuckte, ohne sich dadurch einen Vorteil beim Start zu verschaffen. Jasinski bog als erster ein, gefolgt von Wolf, Joannidis, Herrmann und Spaniol. In Runde drei, als Herrmann seine Stop-and-Go-Strafe abgesessen hatte, sah das Feld jedoch schon ganz anders aus. Wolf und Joannidis waren sich ins Gehege gekommen und räumten das Feld nun von hinten auf. Dafür stand Spaniol hinter Jasinski Gewehr bei Fuß, war aber nicht in der Lage zu attackieren. Auf Rang drei war Jan Deitenbach unterwegs. Doch der überstand nicht einmal die dritte Runde, da er mit einem Defekt an der Bremse ausschied. Herrmann, nun schon an fünfter Position liegend, fand schnell einen Weg vorbei an Andreas Mikkelsen und räuberte jetzt Spaniol hinterher. Ganze fünf Runden dauerte es, bis der Tabellenführer am Saarländer vorbei war. Während dieser fünf Runden konnte Jasinski eifrig Zeitpolster sammeln. Herrmann kam nicht mehr an Jasinski heran und der Meister siegte. Joannidis hatte sich zwischenzeitlich auch an Mikkelsen vorbei gestohlen und wurde Fünfter.

S2 – Spaniol unterhielt die Massen und schied dennoch aus

Dieses Mal konnte Herrmann den Start für sich entscheiden, doch Jasinski nutzte die erste Fahrt durch den Offroad, um die Führung zu übernehmen. Lokalmatador Dirk Spaniol versenkte seine Motorrad bei einer Startkollision am Ende der Geraden. Er entschädigte aber sein Publikum danach durch eine spannende Aufholjagd. Innerhalb von drei Runden spurtete er von 20 wieder auf Rang sieben vor. Nach einem weiteren Unfall war es ihm aber nicht vergönnt, die Zielflagge zu sehen. Maik Voorwinden war Nutznießer eines Sturzes von Wolf und bezog dessen dritten Platz, während Position vier hart umkämpft war. Zuerst lag der Schwede Frederik Eriksson auf vier, doch Andreas Mikkelsen bezwang ihn in der elften Runde. Einen Umlauf später ging auch noch Joannidis an Eriksson vorbei, legte sich Mikkelsen zurecht und nahm dann den vierten Platz in Anspruch. An der Spitze war pure Spannung angesagt. Herrmann kam im Offroad immer wieder ganz dicht an Jasinski heran, der sich allerdings zu wehren wusste. Erst vier Runden vor Schluss gelang es Herrmann, beim Weg über den letzten Table an Jasinski vorbei zu kommen. Ein darauf folgender Konter mündete in einen Gegenkonter und Herrmann gewann knapp vor Jasinski.

S2 – Meisterschaftsstand nach 8 von 12 Rennen:

  1. Michael Herrmann (#5) / Husqvarna - 194 Punkte
  2. Jochen Jasinski (13) / Husaberg - 160 Punkte
  3. Nico Joannidis (#116) / Husaberg - 137 Punkte
  4. Dirk Spaniol (#17) / Suzuki - 125 Punkte
  5. Andreas Mikkelsen (#24) / Husqvarna - 106 Punkte
  6. Michael Wagner (#3) / Honda - 90 Punkte
  7. Lukas Wolf (#155) / Aprilia - 87 Punkte
  8. Fabian Riedl (#30) / Suzuki - 86 Punkte
  9. Frederik Erikkson (#14) / Honda - 83 Punkte
  10. Jan Deitenbach (#44) / Suzuki - 78 Punkte

Kulinarische Tipps für Besucher

Rund um den Schauplatz gibt es einiges, was man unbedingt mal ausprobiert haben sollte. Sofern im Fahrerlager ein Stand mit gegrillter Lyoner zu finden ist, sollte man diese einmalige Gelegenheit auf jeden Fall nutzen. Lyoner ist eine Form der Fleischwurst, auf welche die Saarländer ganz besonders stolz sind. Zurecht, denn ob kalt, gekocht oder gegrillt – saarländischer Lyoner schmeckt super.

Ganz ähnlich verhält es sich mit dem Fleischkäse. Dies ist ein gebackenes Fleischbrät, das man im Saarland in Scheiben auf den Weck (Brötchen) legt und warm verspeist. Anderen Ortes kennt man diese Speise auch als Wiegebraten, oder Leberkäse. Die saarländische Variante ist allerdings besonders zu empfehlen. Er wird auch gerne als Zwiebel- oder Pizza-Fleischkäse angeboten.

Wer in St. Wendel einen schnellen Snack benötigt, aber vom örtlichen Mc Donalds keinen Gebrauch machen möchte, der sollte in die Innenstadt fahren und bei Mc Müller, einem alten Traditionsimbiss, nach Lust und Laune ordern. Dort schmeckt alles gut, ganz besonders aber ein "Weißer Teller"! Wer den bestellt, bekommt ein Currywurst mit Pommes und Brötchen gereicht. Die dazu verwendete Soße ist unerreicht!

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