zakel_boldorEine Idee, auf den Weg gebracht von Protagonisten aus der internationalen Endurance-Szene, fand dies Jahr im Rahmen der Speedweek zu Oschersleben ihre Umsetzung.
Und, unser Team kann kann mit Fug und Recht behaupten, "WIR waren dabei!"
Vorab stand bis zur letzten Minute nicht fest, ob es ein Classic Endurance Rennen geben wird. Die vorher begeistert zugesicherten Nennungen ließen auf sich warten und auch die internationale Beteiligung ließ zu wünschen übrig.
An dieser Stelle muss man wirklich noch mal dem Rennleiter Ottmar Bange für sein Engagement und seine Hartnäckigkeit danken.
Ohne das wäre sicher alles im Sande verlaufen!
Nun stand das 3h Rennen zwar nicht im Programm, aber dennoch hatten sich rund 20 Teams mit alten Renneisen versammelt und waren wild darauf teils altgelerntes zur Schau zu stellen, aber auch völlig neue Erfahrungen zu sammeln.


Zu den Teams die überhaupt das erste Mal ein Langstreckenrennen in Angriff nehmen wollten, zählte auch Zakel-Gurky-Racing, an deren Stelle ich hier berichte.
Wir wollten mit einer 1100er Bol d’Or antreten, die ursprünglich als Sprintrenner aufgebaut war. Mein bisheriger Teamkamerad Andreas hatte sich, nach vielen Hilfseinsätzen als Schrauber bei meinen Sprintrenneinsätzen dazu entschlossen, nun selber in das Renngeschehen einzugreifen und sich zur Bol d’Or überreden lassen.
Die Idee, mit dem Ding zur Langstrecke anzutreten, wurde aus meiner Begeisterung für diese Art von Rennen und seiner Idee, das als Belastungstest vor der ersten Saison zu nutzen, geboren.
Nun ist ein Sprint- kein Langstreckenrenner und echte Erfahrungen hatte keiner von uns.Das 3h Rennen sollte als klassisches Endurance Rennen stattfinden, d.h. ein Motorrad pro Team.
Für uns hieß das auch, dass wir uns eine Taktik zurechtlegen mussten.
Wir hatten viel Glück und fanden in dem Metier erfahrene Hilfe im Freundeskreis, ohne die wir sicher schon im Vorfeld verzweifelt wären.Chris, alter Rallye-Fahrer und bis heute begeisterter Streckenposten, hatte die dynamische Zeiteinteilung, gefahrene Runden und Zeiten im Griff. Micha kannte die Bol d’Or wie kaum ein anderer und half die kleinen mechanischen Kinderkrankheiten auszutreiben. Alex hatte als Einziger von uns wirkliche Erfahrungen mit Endurance Motorradrennen und scheute sich nicht, erstmal das ganze Batteriegeraffel auf ein anwenderfreundliches Niveau zu hieven. An der Stelle fällt mit dem Stichwort "Batterie" unser einziges Handicap was wir befürchten mussten.
Andreas hatte für die Bol d’Or eine dieser hochmodernen LiFePo3 Batterien besorgt und unsere ersten Schätzungen gingen in Richtung, 45 min. durchgehende Fahrtzeit sollten möglich sein, wenn wir auf den Startknopf verzichteten.
Der erste Turn stand also mit dem Batteriewechsel fest und gewechselt sollte dann auf einen normalen Trockenakku werden.Der versprach dann wiederum eine Fahrzeit von min. 30 min. und in der Zeit sollte der LiFePo-Akku wieder geladen sein. So der Plan!
Eine defekte Dichtung und eine nicht ausreichend gesicherte Schraube sorgten dafür, das wir uns in der knappen Trainingszeit zwar qualifizieren, aber kaum mit der Strecke und dem Motorrad vertraut machen konnten.
Da wir uns als Schiebestarter bei einem Le Mans Start eh hinten anstellen mussten, waren wir über unseren vorletzten Startplatz auch nicht traurig. Irgendwer hat mal klug gesagt: "Ein Langstreckenrennen wird nicht beim Start, sondern über die Distanz entschieden!".
Muss nen kluger Kopf gewesen sein :-)
In der kurzfristig vor dem Rennen einberufenen Fahrerbesprechung kam uns die Rennleitung dann entgegen und entschied, dass auf Grund der vielen Schiebestarter das Rennen mit laufenden Motoren gestartet werden sollte.
Wir kippten unsere ursprüngliche Planung, als der leichtere Fahrer mit zumindest etwas Streckenerfahrung, sollte ich eigentlich starten und Andreas anschieben. Jetzt hatte Andreas die Verantwortung, uns auf den Weg zu bringen.
Pünktlich zu Rennbeginn hatte es aufgehört zu nieseln und zu regnen angefangen. So wie die meisten im Feld hatten auch wir auf Regenreifen gesetzt und kamen außerordentlich gut mit den Umständen zurecht. Mit jeder Runde verbesserten wir unsere Platzierung. Es wurde schon langsam unheimlich, erst auf Pl. 11, dann Pl. 10 und irgendwann tauchten wir sogar in der Top Ten auf. Den letzten Turn fuhr dann wieder Andreas und die letzten 5 min. dieses Turns wünsche ich nicht mal meinem ärgsten Feind. Ich tigerte nur noch zwischen Zeitmonitor und Boxenmauer hin und her, zählte die Runden und hoffte in jeder Runde, dass mein Teamkamerad bloß hoffentlich gleich wieder an Start/Ziel auftauchen würde. Als dann die Zielflagge kam, wir im Gesamtergebnis auf Pl. 6 gezeitet wurden, bin ich fast ausgeflippt. Volle Renndistanz gefahren, keine Ausfälle oder Reparaturen und nicht letzter geworden. Was will man noch mehr?
Mehr geht immer! Und wir haben noch kräftigen Nachschlag bekommen. Nach dem Rennen wurden alle angekommenen Moppeds im Park Fermé gesammelt und jeder bekam sein Plakettchen und nen Becher Sekt.
Dann wurden die Podiumskandidaten aus der Menge gezupft und abgeführt. Wir trauten der Platzierung auf dem Zeitenmonitor immer noch nicht und waren baff, als man uns bat, mitzukommen.
Das Podium in Oschersleben ist kein normales Treppchen. Alles befindet sich quasi auf dem Balkon der Boxengebäude. Dort wo sonst nur Renngrößen auf ihren Pokal warten, standen wir nun und hatten uns mit dem Gedanken an nen dritten Platz langsam angefreundet.
Erst wurde die Klasse vor uns aufgerufen und mit Trompetenblech beschenkt, dann sollte es an unsere Klasse gehen. Dachten wir noch, wir würden zuerst aufgerufen mit dem dritten Platz, wurde vor uns das Hallenberger Bol d’Or-Duo Maurer-Eppner aufgerufen. Da jetzt nur noch die Plätze 2 und 1 aufzurufen waren, müssen wir uns wohl wie die Makis angesehen haben. Die ganze VIP-Lounge war am lachen, als wir unseren Aufruf zur Zweitplatzierung realisierten.
Das Gefühl, da oben zu stehen und der eigenen Nationalhymne zu zuhören, ist unbeschreiblich. Vor Aufregung hab ich ewig lange gebraucht um unten überhaupt bekannte Gesichter zu erkennen.

What a great Day!!!

Nachtrag:
Nicht unerwähnt sollten die wirklichen Helden eines solchen Rennens bleiben.
Das MIG-Racing Team aus der Nachbarbox hatte es nach einem Sturz in der letzten Stunde des Rennens schwer erwischt. Die Front verschrabbelt, der Tank zerkniffen und überall Sand und Dreck.
Alle die den Trümmer sahen, bezweifelten, dass das Gerät überhaupt jemals wieder geradeaus fahren würde. Innerhalb von 25 min. wurde von mehr Händen an dem Mopped geschraubt als überhaupt Platz gehabt hätten und was keiner glaubte, das Ding lief sogar und fuhr mit dem Unglückspiloten erneut auf die Strecke. Das Provisorium hielt dann auch bis auf den Meter genau hinter die karierte Flagge, dann war Sense. Hochachtung vor soviel Einsatz!